Es ist problemlos möglich, reich arm zu sein. Diese Möglichkeit haben die meisten nicht auf dem Schirm. Deshalb suchen und organisieren sie alles außerhalb von sich. Sie kümmern sich darum, in der Welt reich zu werden. Sie merken dann viel zu spät, dass es gar nichts bringt, dass sich ihr Gefühl gar nicht verändert hat, obwohl sie materiell und äußerlich nicht mehr arm, sondern reich sind.Es bringt aber auch nichts, arm reich zu tun. Das ist die Spezialität einiger Spiritueller. Sie reden sich Fülle und Reichtum ein. Sie tun so, als ob. Das ist aber nicht echt. Sie leben nicht wirklich in Fülle, sondern sie denken, sie müssten so tun, als ob, damit es wahr werden könnte. Schließlich lesen sie es so in Büchern und hören es in den Seminaren und von den Coaches.Wahrer Reichtum ist, wenn du realisierst, dass er außen gar nicht stattfinden kann. Und wenn er außen stattfindet, wenn du tatsächlich materiell, finanziell reich bist, dann bedeutet das überhaupt nicht, dass du dich innerlich auch so fühlst. Wenn du erfolgreich wirst und dadurch reich wirst, aber dein armes Verhalten in Form von Geiz und Gier beibehältst, dann hat sich gar nichts verändert außer der Maßstab.Dein Geiz und deine Gier bekommen eine größere Möglichkeit, sich in der äußeren Welt auszudrücken. Dein finanzieller Reichtum ist dann einfach nur ein Verstärker. Es wird noch deutlicher, wie du wirklich bist. Wenn du arm bereits großzügig bist, dann wird sich auch das im Fall von finanziellem Erfolg verstärken. Auf der Gefühlsebene ist Armut einfach nur Druck.Reichtum und Fülle sind der Wegfall von Druck. Reichtum ist also nichts, was du dir hinzufügen kannst, sondern es wird dir etwas genommen. Wenn wir Fülle anstreben, gehen wir in der Regel davon aus, dass wir uns etwas hinzufügen müssen, selbst wenn es nur die Fähigkeit ist, die Fülle wahrzunehmen. Tatsächlich kannst du die Fülle ganz einfach wahrnehmen, sobald der Druck weggefallen ist.Diese Aspekte haben nicht nur die Armen nicht auf dem Schirm, sondern auch die armen Reichen nicht. Es gibt viele reiche Menschen, die niemals zur Ruhe kommen, die nie das Gefühl haben, es ist genug. Aus dem ganz einfachen Grund, weil der Druck nie weggefallen ist.Armut hat einen immensen Vorteil, der den Armen nicht klar ist. Sie sind im Vergleich zu denen, die sich als reich bezeichnen würden und deshalb viel besitzen, meilenweit voraus. Sie stehen nämlich viel näher am Punkt der Möglichkeit der kompletten Aufgabe. Es steht ihnen nichts Materielles mehr im Weg. Die Reichen denken, sie haben Verpflichtungen, Verantwortlichkeiten. Sie können ja schließlich nicht alles den Bach runtergehen lassen. Das ist einerseits verständlich, andererseits hält sie diese Idee davon ab, wahre Fülle kennenzulernen.Damit meine ich natürlich nicht, dass jeder arm sein muss, um wahre Fülle kennenzulernen. Es kann aber der Weg sein und es ist sehr wahrscheinlich einer der wenigen Wege, das tatsächlich ganz real festzustellen, weil man es erlebt. Ohne das Erlebnis der materiellen Armut sind alles nur schöne Gedanken, nette Philosophie, sonst nichts. Denn die philosophischen Gedanken haben keinen Wert, wenn du es nicht gefühlt in deinem Körper verankern kannst. Nur die gefühlte Verankerung in deinem Körper verändert etwas in deiner erlebten Realität. Dazu reicht es nicht, etwas künstlich zu fühlen oder sich herbeizureden und so tun, als ob man wüsste, worum es geht.Es ist notwendig, die intimste aller Erfahrungen zu machen. Alle Gefühle, die man bisher nicht fühlen wollte, im Körper wahrzunehmen.