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    2.11.2023AQ 2169
    »Das Ego kann auch selbstlos sein.«
    0:008:25
    Das Ego kann auch selbstlos sein. Viele denken, das Ego sei egoistisch. Das ist nur eine Möglichkeit. Ego ist nicht der Inhalt, Ego ist der Container. Es ist eine Funktion. Die Funktion, wie du dich siehst, wie sehr du dich mit diesem Selbstbild identifizierst und was du alles tust, um dieses Selbstbild aufrechtzuerhalten.Dabei geht es sowohl um bewusste als auch um unbewusste Selbstbilder. Und es geht sogar um diejenigen Selbstbilder, die wir allgemein als erstrebenswert ansehen. Eines dieser Selbstbilder ist die Selbstlosigkeit, was ein lustiger Widerspruch ist, denn dein Ego ist selbstlos, würde ja bedeuten, dass es dein Ego nicht gibt. Tatsächlich ist es umgekehrt: Die Selbstlosigkeit ist der Inhalt deines Egos.Diese Selbstlosigkeit wird propagiert und wurde dir als Kind beigebracht als Gegenbewegung zum sogenannten Egoismus. Und deshalb kann uns gar nicht klar sein, dass Selbstlosigkeit auch egoistisch ist, denn es geht uns ja um uns. Wir wollen selbstlos erscheinen. Das ist uns wichtig. Dafür gibt es aber keinen echten, vernünftigen Grund. Es gibt nur scheinbare und falsche Gründe. Als ob es in irgendeiner Art und Weise garantiert wäre, dass du in deiner selbstlosen Version besser bist als in deiner egoistischen.Außerdem ist das Ego fragmentiert. Es ist nicht einheitlich selbstlos, sondern es will dann eben in seiner Selbstlosigkeit erkannt werden. Und das ist dann plötzlich überhaupt nicht mehr selbstlos, sondern sehr egoistisch. Falls Selbstlosigkeit etwas Gutes ist, dann geht es nicht darum, ob du selbstlos erscheinst, sondern ob du tatsächlich selbstlos bist. Es kann also nicht darum gehen, ob andere mitbekommen, wie selbstlos du bist. Es kann dann ausschließlich darum gehen, dass du selbstlos bist und das für dich voll lebst.Die andere Variante wäre, tatsächlich selbstlos zu werden. Doch dieses Ziel verfolgen die wenigsten. Wenn du dein eingebildetes Selbst loswirst, bedeutet das, dass du dein Ego verlierst. Das bedeutet auch, dass du kein Urteil mehr darüber hast, wie du bist. Du kannst dann sowohl egoistisch als auch selbstlos sein und du bewertest beides nicht mehr. Du beobachtest nur noch. Du beobachtest, wie du dich verhältst, was du denkst, was du fühlst. Aber du bewertest es nicht mehr und es ist dir auch nicht wichtig, ob das ein anderer mitbekommt.Ein selbstloses Ego ist weder besser noch schlechter als ein egoistisches Ego. Das ist kein Freifahrtschein, ein Arschloch zu sein. Das interpretiert der Verstand nämlich extrem gern. Er findet das super, dass er ab sofort so sein darf, wie er will. Ab sofort darf ihm keiner mehr etwas sagen und jede Bewertung ist ja ein Urteil. Du siehst also, man kann alles falsch auslegen. Oder du kannst versuchen, die Wahrheit hinter den Worten wahrzunehmen.Der Verstand verwertet spirituelle Erkenntnisse grundsätzlich vollkommen falsch. Er macht auch aus spirituellen Erkenntnissen ein neues Ego-Spiel. Du kannst für dich einfach untersuchen: Wer will das, was du gerade willst? Wer ist das, der dich im Hintergrund bedrängt? Wer wäre so gerne selbstlos? Wer würde so gerne helfen können? Wer ist das?Wenn du dieses Phantom gefunden hast, dann merkst du auch, dass es nicht unbedingt bedeutet, dass du nicht helfen darfst. Das bedeutet auch nicht, dass es sich nicht verbessern darf. Aber es bedeutet, dass du im ersten Schritt erkennst: Wer ist das, der das alles will? Woher kommen diese ganzen Ideen und Wünsche?Selbst dann, wenn der Wunsch heißt »Ich bin gerne selbstlos.« Es gibt ganz viele tolle selbstlose Egos.