"So etwas wie ein Staat, eine Regierung existiert nicht. Was existiert, sind ein oder mehrere Menschen, die Macht über viele Menschen ausüben." Rose Wilder Lane Wenn du dieses Zitat konsequent zu Ende denkst, dann bedeutet das auch, dass es keine Staatsbediensteten gibt. Es gibt nur Menschen, die sich verkleiden und in eine Rolle schlüpfen und die dann Macht über andere ausüben. Die Idee eines Staates ist vom Prinzip her immer Sozialismus. Es gibt nur Eigenverantwortung oder Sozialismus. Es gibt nicht beides. Sozialistisches Gedankengut ist immer, dass andere für mich verantwortlich sind — und das ist nicht der Fall. Das war die Fehlannahme meines Lebens. Und diese Fehlannahme habe ich nicht entlarvt, als ich erfolgreich wurde, sondern vorher. Das bedeutet übrigens überhaupt nicht, dass man sich nicht umeinander kümmern darf. Das bedeutet auch nicht, dass es keine Wohlfahrt gibt. Es bedeutet nicht, dass die Schwächsten einfach zurückgelassen werden. Denn wenn du genau hinschaust, dann ist das jetzt gerade der Fall. Und das passiert gerade im Namen des Staates. In der Schule hast du bestimmt gehört, dass es einmal ein Ereignis gab und da wurde der Staat von der Kirche getrennt. Angeblich. Das ist einerseits ein Witz, denn wie kommt es, dass der Staat dann immer noch die Kirchensteuer einzieht? Aber lassen wir die Formalitäten mal beiseite. Es gibt eine Religion, die wurde und wird nicht bedacht. Und das ist die größte aller Religionen. Es ist nicht der Islam, es ist nicht das Christentum, es ist nicht der Hinduismus. Es ist eine Religion, die kaum einer kennt, in der aber die meisten Mitglied sind. Und die Grundlage dieser Religion ist der Glaube an den Staat. Und tatsächlich gibt es diesen Staat eben gar nicht. Es gibt nur Menschen, die Macht über andere Menschen ausüben oder ausüben wollen. Und es gibt Menschen, die wollen sich etwas erarbeiten. Und es gibt Menschen, die wollen, dass das andere für sie tun. Rose Wilder Lane hat erkannt, was der Staat im Kern tatsächlich ist. Sie ist übrigens die Tochter der Autorin, die "Unsere kleine Farm" geschrieben hat. Und im Nachhinein darf man darüber berichten. Aktuell darf man so was nur hinter vorgehaltener Hand sagen, wenn man das erkannt hat. Und das erinnert mich an das Zitat »Jede Gesellschaft ehrt ihre lebenden Konformisten und ihre toten Unruhestifter«, von Marshall McLuhan. Solange du lebst, sollst du also konform gehen mit den allgemein anerkannten Ansichten. Wenn du tot bist, darfst du auch ein Unruhestifter gewesen sein. Das wäre sogar noch besser. Das heißt, du bräuchtest zwei Leben. Eines, das du tatsächlich als Konformist lebst. Und eines, in dem man sich an dich als Unruhestifter erinnert. Selbstverständlich geht das nicht oder nur sehr schwer. Deshalb könnte es sinnvoll sein, dich für eine Richtung zu entscheiden. Mich erinnert das immer wieder an Osho. Sein Werk ist dadurch die perfekte Vollendung, dass er Unruhe gestiftet hat, dass er so unbequem war, dass er der Gesellschaft den Spiegel vorgehalten hat. Er hat es damit auch sich nicht gerade einfach gemacht. Aber er war authentisch. Was bringt es dir, wenn du dich an die Vorstellungen und Standards, Normen der Gesellschaft anpasst? Welchen Wert hat es, wenn du sagen kannst: »Ich habe alles so gemacht, wie man es mir gesagt hat!«? Hältst du das wirklich für Leben? Ich ganz sicher nicht. Das bedeutet aber nicht, dass du jeden Tag protestierend durch die Gegend laufen musst. Ganz im Gegenteil. Das kann auch ein sehr ruhiges Leben sein. Ein Leben, während du die Illusionen durchschaust und einfach nicht mehr mitmachst.