Das schwierigste Selbsteingeständnis ist, dass du getäuscht wurdest und fremdgesteuert bist. Wir werden nicht gerne getäuscht und deshalb wollen wir das auch gar nicht untersuchen, ob es vielleicht so gewesen sein könnte. Denn falls wir getäuscht wurden und falls wir das erkennen können, werden wir wütend. Und aus irgendwelchen seltsamen Gründen sind wir nicht gerne wütend. Gerade die Spirituellen nicht. Das ist ja richtiggehend verpönt.Stell dir mal vor, dich würde jemand schreiend entdecken und dabei vielleicht sogar noch filmen. Und dann stell dir vor, du bist ein spiritueller Influencer, der immer im perfekten Schneidersitz dasitzt und meditiert und den Menschen erzählt, dass sie zur Ruhe kommen müssen. Das passt dann nicht so richtig zu dem von dir verbreiteten Selbstbild. Also tust du alles, um dieses Selbsteingeständnis, jedes Selbsteingeständnis zu verhindern, das dazu führen könnte, dass du wütend wirst. Nicht nur als Influencer, sondern auch als sogenannter ganz normaler Mensch. Als ob die Influencer keine ganz normalen Menschen wären!Tatsächlich werden bei ihnen die ganz normalen Verdrängungsmechanismen einfach nur noch deutlicher sichtbar, weil es ihnen noch wichtiger ist, wie sie wahrgenommen werden, was andere von ihnen halten und was sie für ein Bild in der Öffentlichkeit abgeben. Das ist aber genau das, was uns alle beschäftigt. Und deshalb zeigt sich keiner so, wie er wirklich ist. Deshalb will auch keiner wütend sein und deshalb lehnt jeder die Möglichkeit, getäuscht worden zu sein, instinktiv ab. Die Möglichkeit der Täuschung und der Fremdsteuerung ist aber immens groß. Sie ist nicht nur möglich, sondern sehr wahrscheinlich. Wenn du das erkennen würdest, würde dein gesamtes Selbstbild in sich zusammenfallen. Denn das würde bedeuten, man kann dir Dinge einreden. Und bei jedem, dem sein Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit wichtig ist, ist das sogar sehr leicht möglich.Auch das ist bei den Influencern sehr leicht feststellbar. Das kannst du überall sehen. Sie passen sich dem gängigen Narrativ so schnell an, so schnell kannst du gar nicht schauen. Sie sind also gar keine Beeinflusser. Sie werden beeinflusst, fühlen sich aber gleichzeitig erhaben oder tun zumindest so, als wären sie besser informiert, als wären sie moralischer als andere. Würden sie erkennen, dass sie getäuscht wurden, müssten sie gleichzeitig zugeben, dass sie gerne getäuscht wurden, dass sie auch sich selbst getäuscht haben und dass ihr gesamtes Konstrukt auf Lügen basiert. Wenn du das sehen kannst, dann solltest du auch sehen können, dass es bei dir nicht anders ist. Vielleicht nicht ganz so ausgeprägt, aber vorhanden.Der Verstand reagiert auf sonderbare Art und Weise auf solche Erkenntnisse. Sobald er so etwas erkennt, will er es wegmachen. Er will den Fehler beheben. Er fühlt sich ertappt. Das ist ihm peinlich und deshalb will er es wegmachen. Und dadurch sorgt er für weiteres Chaos und für weitere Verdrängung. Du musst das nicht wegmachen und du kannst es auch gar nicht wegmachen, denn du wirst für immer täuschbar sein. Das liegt einfach im Rahmen der Möglichkeiten. Du kannst getäuscht werden. Man kann dich täuschen und deshalb kannst du auch fremdgesteuert werden.Sobald du das zugeben kannst, ist das überhaupt kein Problem mehr. Denn wenn du es zugeben kannst, kannst du es beobachten und wenn du es beobachten kannst, bist du von der Situation nicht mehr getrennt. Du spielst dir selbst nichts mehr vor. Und das ist das Ende der Täuschung! Die Fähigkeit, das zuzugeben und dich zu beobachten, sorgt dafür, dass es nicht mehr so leicht passiert. Aber nicht, weil du es nicht mehr willst, sondern weil du bereit bist dafür. Du bist bereit, dass es passiert. Du bist bereit, getäuscht zu werden. Du bist bereit, fremdgesteuert zu sein. Denn du kannst es beobachten und wenn du es beobachten kannst, ist es nicht mehr schlimm.Diese Erklärung bringt dir aber in der Theorie überhaupt nichts. Du musst es machen. Und der Beginn davon ist, dass du es dir selbst eingestehst und dann beobachtest du dich. Erst dadurch, dass du dich beobachtest, bist du überhaupt in der Lage, das erste Mal in deinem Leben andere zu beobachten. Deine Selbstbeobachtung sorgt für einen ganz anderen Blickwinkel, einen ganz anderen Standpunkt, einen ganz anderen Blick auf die anderen.Du stehst höher und hast einen viel weiteren Horizont, ohne dich zu überhöhen. Du bist viel weniger überheblich. Du kannst viel mehr nachvollziehen und musst deshalb ganz automatisch nicht mehr verurteilen. Nicht weil man das laut spiritueller Lehre nicht darf, sondern weil es überflüssig wird. Du stehst erhöht, ohne dich selbst zu erhöhen. Du hast einen vollkommen neuen Überblick und deshalb einen komplett neuen Blick auf die Welt und auf die Menschen, weil du einen vollkommen neuen Blick auf dich selbst hast.Du hast eines der größten Hindernisse überwunden, nämlich dir selbst einzugestehen, dass man dich getäuscht hat und du fremdgesteuert warst.