In der Pubertät bemerken Jugendliche zum letzten Mal, dass hier etwas schiefläuft. Ab diesem Zeitpunkt gibt es zwei Möglichkeiten: Sie werden zum letzten Mal gebrochen oder sie lassen sich zum letzten Mal brechen, um des lieben Friedens willen. Die zweite Möglichkeit ist: Sie bleiben ein Rebell, sie passen sich nicht an und werden zu einem der schwarzen Schafe. Besser gesagt bleiben sie natürlich eines der schwarzen Schafe und ganz genau genommen bleiben sie das, was sie schon immer waren. Die anderen werden zu weißen Schafen, zu angepassten Befehlsempfängern. Den schwarzen Schafen, die die einzig Normalen sind, sagt man dann nach, dass sie in der Pubertät hängengeblieben sind. Und diejenigen, die diesen Vorwurf aussprechen, verstehen gar nicht, was sie damit sagen. Sie sagen damit, dass sie aus der Pubertät rausgekommen sind, indem sie sich angepasst haben. Und zwar genauso, wie es von ihnen verlangt wurde. Diese Welt passt für niemanden, aber alle tun so. Sie passen sich an und behaupten dann, dass alles passen würde.Die Pubertät ist die letzte Möglichkeit, um bei unserem kollektiven Wahnsinn nicht mitzumachen. Zumindest ist es die letzte Möglichkeit vor einem langen Umweg des Erwachsenwerdens und vor allem des Erwachsenspielens. Selbstverständlich gibt es weitere Möglichkeiten, die kommen, die nennt man dann Midlife Crisis oder Depression, aber die brauchen in der Regel noch ein paar Jahre. Vorher hat man gut zehn bis zwanzig Jahre Zeit, sich an ein krankes System anzupassen und seine Pubertät zu unterdrücken. Währenddessen tun wir die ganze Zeit so, als würde nichts schieflaufen. Und wir schaffen es tatsächlich, uns selbst das einzureden. Wenn wir es uns selbst gegenüber oft genug wiederholen, glauben wir es am Ende tatsächlich, dass es schon alles irgendwie passt und okay ist.In der Pubertät gilt man als widerspenstig, unangepasst, stur, dickköpfig und als Quertreiber. Spannenderweise waren das auch Adjektive und Worte, die man in den letzten drei Jahren öfter gehört hat. Menschen, die sich an ihr wahres Wesen erinnern, erscheinen nicht einfach. Du bist aber als Pionier und Revolutionär hierhergekommen. Und niemand wird gern an ein krankes System angepasst. Das fühlt sich einfach nicht gut an und du nutzt jede Möglichkeit, um dagegen aufzubegehren, bis du diese Möglichkeit nicht mehr nutzt, weil du denkst, du musst jetzt vernünftig werden. Tatsächlich ist das keine Vernunft. Das ist pure Anpassung. Deshalb gibt es auch kaum vernünftige Menschen. Es gibt nur sehr viele angepasste Menschen.Vernünftig wäre, deiner Intuition in der Pubertät nachzugehen und zu untersuchen, was hier schiefläuft. Und dich davon, von dieser Untersuchung, unter gar keinen Umständen abbringen lassen, bis du es herausgefunden hast.