Eine Überzeugung ist viel wichtiger für deine Manipulierbarkeit als die Realität, weil du deine Überzeugung verteidigst. Jetzt stellt sich die wichtige Frage: Woher hast du deine Überzeugungen und wen verteidigst du dadurch? Welche Überzeugungen hast du? Und warum bist du überzeugt, statt es zu wissen? Wenn du von etwas überzeugt bist, bedeutet es, dass du es nicht weißt. Deine Überzeugung ersetzt deine Erfahrung. Erst dann, wenn du etwas erfahren hast, weißt du es wirklich. Solange du es nicht erfahren hast, musst du überzeugt davon sein und daran glauben. Und was, wenn die Erfahrung dann ganz anders ist, du aber vorher sehr überzeugt warst, wie es sein wird? Welchen Wert hat dann eine Überzeugung?Meine Erfahrung ist, dass eine Überzeugung gar keinen Wert hat. Zumindest nicht für mich, sondern nur für denjenigen, der mich überzeugt hat. Die Ersten in meinem Leben, die mich überzeugt haben, waren natürlich meine Eltern. Die haben ihre Überzeugungen an mich weitergegeben. Und sie hatten ihre Überzeugungen natürlich auch wieder von ihren Eltern. Irgendwann und irgendwie muss es aber passiert sein, dass wir auch Überzeugungen von anderen übernommen haben, denn sonst würden uns unsere Eltern ja nichts über Dritte erzählen. Sie würden dann zum Beispiel nicht überzeugt davon sein, dass es wichtig sei, Steuern zu zahlen. Oder dass es wichtig ist, wählen zu gehen und da natürlich die richtige Partei zu wählen.Es scheint also einen weiteren Einfluss zu geben, der uns aber überhaupt nicht so richtig klar ist, woher der kommt und wann der angefangen hat. Jedenfalls bist du mit Überzeugungen sehr leicht manipulierbar. Denn wenn du überzeugt bist von etwas oder dass etwas so ist, wie du es denkst, dann tust du alles dafür, um diese Überzeugung zu verteidigen. Du versuchst, dein Weltbild aufrechtzuerhalten, indem du so lebst, als wäre deine Überzeugung richtig. Als wäre deine Überzeugung die erlebte Realität, obwohl du es noch nie erlebt hast.Mit einer Erfahrung passiert dir das nicht. Eine Erfahrung ist so tief in dich eingedrungen, dass du keine Überzeugung mehr brauchst. Und mit einer Erfahrung kann dich auch niemand mehr manipulieren, weil deine Erfahrung individuell ist. Falls also jemand versuchen sollte, dich und andere zu manipulieren, dann kann er das nur, indem er dafür sorgt, dass es möglichst viele Überzeugungen gibt und möglichst wenige Erfahrungen. Erfahrungen verhindern deine Manipulierbarkeit. Denn Erfahrungen finden sehr nuanciert statt. Deine persönliche individuelle Erfahrung hat viele verschiedene Nuancen, die die Erfahrung von anderen nicht unbedingt hat. Die haben wieder andere Details und selbst wenn sie das Gleiche erlebt haben, haben sie maximal etwas Ähnliches erlebt.Bei Überzeugungen darf es nie um Nuancen gehen. Bei Überzeugungen geht es immer um einfache Erklärungsmuster. Es gibt also einen ganz einfachen Weg, unmanipulierbar zu werden: Ersetze alle Überzeugungen durch echte Erfahrungen! Und falls du im Bereich einer Überzeugung keine eigene Erfahrung hast, dann vergiss einfach die Überzeugung! Sie hat nicht nur keinen Wert, sondern ist sogar noch kontraproduktiv. Sie arbeitet gegen dich, nicht für dich.Wenn du eine Erfahrung hast, dann fällt die Notwendigkeit für Überzeugungen weg. Und je mehr Erfahrungen du in einem Bereich hast, desto facettenreicher und unabhängiger wird deine Sichtweise. Deine Erfahrung muss und braucht von niemandem bestätigt werden. Sie steht für sich. Und du musst auch niemanden mehr überzeugen. Dieser Drang fällt komplett weg, da du ja die Erfahrung gemacht hast, dass eine Überzeugung etwas vollkommen anderes ist als eine Erfahrung. Du hast den Wert der Erfahrung erkannt und willst deshalb niemanden mehr überzeugen und kannst jedem nur empfehlen, eine eigene Erfahrung zu machen.Gerade in der Spiritualität musst du um Überzeugungen einen riesengroßen Bogen machen. Spiritualität ohne eigene Erfahrung ist keine. Von Spiritualität kannst du nicht überzeugt sein. Denn Spiritualität ist der Weg zurück zur eigenen Erfahrung.