Es ist reine Verstandesinterpretation, wie es ist, kein Geld zu haben. Und es ist reine Verstandesinterpretation, wie es ist, Geld zu haben. Die meisten Menschen haben nie erlebt, wie es ist, kein Geld zu haben. Besser gesagt, sie haben es schon einmal erlebt, aber sie erinnern sich nicht, weil sie es falsch interpretieren.Sie hatten lange Zeit kein Geld aus einem ganz einfachen Grund: Andere haben für sie gesorgt. Für jeden von uns wurde gesorgt, als wir kein Geld hatten. Und das war selbstverständlich in unserer Kindheit. Und in unserer Kindheit und Jugend wurden wir daran herangeführt, dass es notwendig ist, Geld zu haben und dafür zu sorgen, Geld zu haben. Seitdem wollen wir es vermeiden, kein Geld zu haben. Und deshalb erleben wir es später dann nicht mehr, wie es ist, kein Geld zu haben, haben aber Angst davor, keines zu haben, ohne dass wir es ausprobiert haben, wie es ist. Und trotzdem haben wir Angst vor diesem Zustand.Das bedeutet, unser Verstand interpretiert einen Zustand, den wir zwar kennen, aber an den wir uns nicht mehr erinnern. Denn als wir kein Geld hatten, war für uns gesorgt. Das war unsere erlebte Realität. Die wirkt sich aber auf unsere jetzige Situation nicht aus. Wir tun so, als würden wir diesen Zustand nicht kennen. Und selbst dann, wenn wir erkennen, dass es diesen Zustand schon einmal gab, kommt der Verstand mit Ausreden und sagt uns: »Ja, aber Stefan, das war ja in meiner Kindheit. Da haben ja meine Eltern für mich gesorgt.« Und so reden wir uns den Zustand schlecht. Wir tun so, als könnte der nie wieder kommen. Sprich, als könnte es nie wieder sein, dass du kein Geld hast und trotzdem für dich gesorgt ist.Gleichwohl war dieser Zustand für viele Frauen, als sie noch nicht modern waren, selbstverständlich. Sie hatten keine offizielle Arbeit und hatten trotzdem Geld. Und falls du jetzt innerlich zuckst und sagst: »Ja, aber da bin ich ja abhängig!«, dann schau nochmal genau nach, was du damit sagst, was du damit denkst. Das bedeutet, du willst gar kein Geld bekommen, ohne etwas dafür zu tun.Ich habe keine Ahnung, ob das gut oder schlecht ist. Du musst nur erkennen, worauf du reagierst und wie du reagierst. Und dann musst du schauen, ob das deine tatsächlich erlebte Realität ist, was du da interpretierst. Ob du es also schon einmal erlebt hast, all das Negative, das du damit verbindest. Oder ob dir jemand gesagt hat, was du denken sollst, wenn es um dieses Thema geht.Ich spreche über Programmierung und wenn du diese Programmierung nicht erkennen willst, wie willst du dann die anderen Programme erkennen? Und so wie wir beim Thema "kein Geld haben" fröhlich unseren Verstand interpretieren lassen, so ist es auch beim Thema "Geld haben" oder "viel Geld haben", zumindest "mehr Geld haben", "mehr Geld als jetzt". Und auch in diesem Bereich ist unser Verstand falsch gepolt. Wenn Menschen an reiche Menschen denken, dann haben sie selten gute Gefühle dabei. Und ich kann das nachvollziehen, denn meistens werden reiche Menschen nicht sehr sympathisch dargestellt, ganz egal wo, vor allem in den Medien.Aber es kann zum Beispiel auch sein, dass deine Eltern schlecht über reiche Menschen gesprochen haben und das ist tief in uns verankert. Das geht da auch nicht so schnell wieder weg. Das sind Überzeugungen, die natürlich vollkommen idiotisch sind, aber die sitzen tief. Und wenn wir dann uns selbst in diesen Zustand hineininterpretieren, viel Geld zu haben, reich zu sein, wie das wohl wäre, dann machen wir den nächsten Fehler: Wir tun so, als wüssten wir es, wie es sich anfühlt, reich zu sein.Diejenigen, die schon einmal reich waren und arm wurden und bei diesem Prozess bewusst geblieben sind, wissen, dass Armut und Reichtum nichts mit Geld zu tun haben. Lustigerweise wird in spirituellen Kreisen eine der beiden Varianten bevorzugt. Die eine Variante geht in Richtung Askese, das heißt, du musst arm sein, um vor Gott treten zu können. Es wird so getan, als wäre Armut eine Tugend und als würde dich diese Tugend näher zu Gott bringen oder auf irgendeine Art und Weise spiritueller machen. Die andere Fraktion betont die Fülle und sagt dir, dass du Fülle und Reichtum manifestieren sollst, als wäre das ein Zeichen von spirituellem Fortschritt, reich zu sein. Beides ist absoluter Blödsinn!Ein spiritueller Mensch akzeptiert das, was jetzt hier ist: Wenig Geld genauso wie viel Geld. Beides hat seine Vor- und Nachteile und die sind individuell verschieden. Beide Situationen fordern dich heraus. Jeden Menschen auf eine einmalige Art und Weise. Der eine muss lernen, zu sparen, sich zu zügeln und zurückzunehmen und der andere muss lernen, sich etwas zu gönnen. Und das sind nur zwei Beispiele von vielen.Statt mit dem Verstand zu interpretieren, wie es wäre, wenn es anders wäre, könntest du stattdessen das annehmen, was jetzt hier ist. Die Zukunftsszenarien des Verstandes stimmen sowieso nicht. Es ist also besser, gar nicht erst darüber nachzudenken und nicht so zu tun, als könntest du wissen, was besser für dich wäre als das, was jetzt schon ist.