Trennungen sind ein guter Lackmustest für dein Ego. Es ist fast schon genial, worum es bei jeder Art von Trennung am Schluss immer wieder nur geht, ganz egal, ob Erbstreit, Trennungsstreit jeglicher Art, Rosenkrieg, also Scheidung. Vollkommen egal, um welche Art der Trennung es geht, es geht immer nur darum: Was hat der andere falsch gemacht? Und dann geht es auch noch darum: Er schuldet mir noch Geld. Oder eine Couch, einen Schrank, ein Haus, ein Boot, irgendetwas. Und wenn es nichts Monetäres ist, dann schuldet er mir wenigstens Respekt. Es geht also immer um "haben", "bekommen" oder "zu viel gegeben".Es sind immer die gleichen Dynamiken und das Ego springt voll darauf an. Es liebt das und es arbeitet immer mit Vorwürfen. Und ein spirituelles Ego verkauft dir das auch noch als "zu dir stehen". Das ist lustig, denn "zu dir stehen" würde tatsächlich etwas vollkommen anderes bedeuten. Du würdest dazu stehen, was du lange nicht gesehen hast und jetzt entdeckst. Oder du würdest dazu stehen, was du lange über dich ergehen hast lassen und jetzt nicht mehr hinnehmen möchtest.Wenn du tatsächlich dazu stehen könntest, dann würdest du auch erkennen, dass es gar kein Fehler des anderen war, sondern dass du es ja lange nicht gesehen oder über dich ergehen hast lassen. Zu dir zu stehen würde tatsächlich also bedeuten, alles hinter dir zu lassen, nicht mehr daran denken, die Vergangenheit Vergangenheit sein lassen. Keine Vorwürfe mehr erheben, denn du müsstest sie auch dir selbst gegenüber erheben. Aber so funktioniert das Ego natürlich nicht. Es denkt an die Vergangenheit und sagt: »Ah, was du mir angetan hast! Was damals war und wie das war und was du alles gemacht hast!« und so weiter. »Und natürlich brauche ich in Zukunft noch was von dir! Du schuldest es mir!«Und in diesem Zwiespalt kann das Ego wunderbar wüten und sich austoben. Und da könntest du merken, dass du kurz vorher noch gesagt hast, du seist dankbar. Und jetzt kannst du überprüfen, ob du es wirklich bist. Vielleicht hast du es auch nicht gesagt. Vielleicht hast du was anderes gesagt, zum Beispiel: »Ich liebe dich!« Und jetzt plötzlich ist das nicht mehr so und deshalb willst du den Fehler beim anderen suchen. Dort findest du ihn aber nicht. Wenn der andere schon immer so scheiße war wie jetzt, was ja der Grund ist, warum du ihn verlässt, dann hast du es entweder absichtlich oder unabsichtlich übersehen, dann liegt der Fehler also bei dir. Und wenn du dich damals noch nicht entscheiden wolltest oder konntest, war es dann wirklich ein Fehler oder musste es einfach so weit kommen? Bis zu diesem Punkt, an dem du sagen kannst: »So möchte ich nicht weitermachen!«Kann es dann um eine materielle oder immaterielle Abrechnung gehen? Diese Abrechnung kann keinen Wert haben, denn du bekommst niemals etwas Wertvolleres als eine Erkenntnis. Und du könntest im Moment der Trennung erkennen, dass diese Erkenntnis unendlich wertvoll ist, viel wertvoller als alles Geld und als jede Entschuldigung, viel wertvoller als ein Eingeständnis, denn jetzt, wo du es sehen kannst, brauchst du es nicht mehr, weil du es sehen kannst. Es hat keinen Wert, dem anderen die Schuld zu geben. Und deshalb hat es auch keinen Wert, dir die Schuld zu geben.Es ist einfach zu Ende. Es hat begonnen, ohne dass du dich gefragt hast, warum es beginnt, also kann es auch enden, ohne dass du dich fragst, warum es endet und wer daran schuld ist und wer dem anderen noch etwas schuldet. Du kannst das. Dein Ego kann das nicht.Und deshalb sind Trennungen ein wirklich guter Lackmustest für dein Ego.