Du musst deine Fehler erkennen, bevor du aus ihnen lernen kannst. Je nachdem, wie du dieses Zitat liest, klingt es entweder banal oder wie tiefste Erkenntnis.Wenn ich mich an früher zurückerinnere, dann hätte ich dieses Zitat abgenickt: »Na klar! Selbstverständlich muss ich meine Fehler erst erkennen, bevor ich aus ihnen lernen kann. Das ist ja nichts Besonderes. Nicht besonders schlau, nicht besonders tiefgründig.« Und ich lag richtig. Für mich und für meinen Bewusstseinszustand. Während ich nämlich dachte, ich hätte dieses Zitat verstanden, war ich meilenweit von Verständnis entfernt. Ich hatte nämlich eine sehr primitive Vorstellung von Fehlern. Ich dachte, Fehler seien etwas, was man objektiv bewerten und einordnen könnte. Und außerdem dachte ich, dass Fehler meistens etwas sind, was von außen gesagt wird. Das heißt, andere erklären mir meine Fehler, andere sagen mir, was ich falsch gemacht habe. Und so erkenne ich dann meine Fehler und deshalb kann ich dann daraus lernen. Und das ist natürlich vollkommener Blödsinn! Und das habe ich natürlich auch nur deshalb gedacht und so interpretiert, weil ich es als Erstes bei meinen Eltern beobachtet habe und dann bei meinen Lehrern. Und von denen habe ich etwas gelernt, was es mir unmöglich gemacht hat, dieses Zitat zu verstehen.Mir war nämlich nicht klar, dass man Fehler auch selbst erkennen kann und sogar selbst erkennen will. Und noch heftiger: Andere können dir noch nicht einmal dabei helfen, deine Fehler zu erkennen. Das musst du selbst wollen und dafür brauchst du einen höheren Bewusstseinszustand, nämlich einen Zustand, in dem du dich nicht über dich und deine gemachten Fehler ärgerst. Solange du das tust, bist du in deiner Programmierung gefangen. Ich sage nicht, dass diese Erkenntnis der Fehler frei von Schmerz ist. Ganz im Gegenteil, diese Erkenntnisse können wirklich weh tun. Deine eigenen Fehler aus tiefstem Herzen zu erkennen, kann dich nahe an die Verzweiflung bringen. Und selbstverständlich fragt dich dein Verstand: »Wie konntest du das nur zulassen? Warum hast du so lange die Augen verschlossen? Was ist denn bloß los mit dir?« und so weiter. Diese Sätze, diese Fragen kannst du getrost ignorieren. Sie helfen dir nicht weiter. Was dir weiterhilft, ist, die Widersprüche, die auch zusammen mit diesen erkannten Fehlern, mit diesen von dir erkannten Fehlern auftauchen, zuzulassen und zu fühlen und zu merken, dass du es niemals allen recht machen kannst und oft sogar niemandem, noch nicht einmal deinem eigenen Verstand. Er wird sich immer beschweren.Fehler sind aber nicht dazu da, dass wir uns darüber beschweren. Fehler sind dazu da, dass wir sie erkennen. Und in den Fehlern erkennen wir unsere Programmierung und dadurch auch uns, denn wir sind dahinter. Wir sind nicht der Fehler und wir sind nicht die Programmierung. Wir haben eine Programmierung und wegen dieser Programmierung haben wir einen Fehler gemacht. Und die meisten Fehler machen wir aufgrund der Programmierung über Jahre und oft sogar unser Leben lang. Die Fehler, die mir früher andere eingeredet haben, denn erkennen konnte ich sie ja nicht, sind banal und trivial im Verhältnis zu den Fehlern, die ich jetzt erkenne. Die Fehler, die ich früher erkannt habe, waren meistens erzwungen und wenn nicht, dann waren es Fehler auf der Handlungs- oder Gedankenebene, die man leicht beurteilen kann und wo es auch anderen leichtfällt, einen dafür zu verurteilen.Die Fehler, die ich jetzt erkenne, liegen viel tiefer. Es sind für mich deshalb keine klassischen Fehler, es ist eher tiefgreifende und schmerzhafte Selbsterkenntnis.