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    3.8.2023AQ 2078
    »Wir fühlen uns verraten!«
    0:0010:41
    Verrat gibt es nur im Ego. Wenn wir uns verraten fühlen, hatten wir vorher Hoffnung und waren nicht im Moment. Wir haben etwas projiziert, was entweder so nicht oder dann beendet ist. Und wir sagen danach, nachdem es beendet ist: »Wir fühlen uns verraten!« Tatsächlich hatten wir falsche Hoffnungen. Das wollen wir aber nicht zugeben und deshalb projizieren wir diese falschen Hoffnungen auf den anderen und sagen dann: »Er hat uns verraten.« »Er hat meine Hoffnungen verraten«, wäre akkurater. »Ich habe mir Hoffnungen gemacht und das war Verrat an mir selbst«, wäre absolut präzise.Mit dieser Erklärung möchte ich nicht das machen, was in der spirituellen Szene sehr verbreitet ist, nämlich deine Gefühle kleinreden oder bagatellisieren. Die Gefühle sind sehr real und deshalb kannst du dir sehr realistisch einbilden, dass du verraten wurdest. Es fühlt sich echt an. Das Ziel solcher Zitate ist es nicht, dass du es dir selbst schönredest. Auch ich möchte es dir nicht schönreden. Ich möchte dir mehr als nur eine andere Perspektive anbieten, eher eine andere Schwingung beziehungsweise einen Blickwinkel aus einer anderen Dimension.Diese andere Dimension kannst du nicht durch Denken erreichen. Ehrliche Selbstbeobachtung ist ein erster möglicher Schritt. Auch bei dieser Selbstbeobachtung geht es nicht um Gedanken oder Analysen. Es geht nur um die erste Beobachtung, um das, was tatsächlich präsent ist: Gefühle. Natürlich auch Gedanken. Aber nicht die ewig lange Geschichte, sondern nur der erste Gedanke, das erste Gefühl und die erste ehrliche Selbstbeobachtung, wo es weder darum geht, anderen die Schuld zu geben, noch dir selbst. So etwas sind wir nicht gewöhnt. Wir sind es klassischerweise gewöhnt, anderen die Schuld zu geben, dann können wir uns beschweren und uns selbst die Schuld geben, dann können wir uns fertigmachen.Auch das kannst du bei dir selbst beobachten: Das Ego funktioniert selten ohne Gegenposition. Es nimmt also immer beide Seiten ein und wechselt zwischen diesen hin und her. Und dieser Wechsel wird so schnell vollzogen, dass du nicht hinterher kommst, damit du keines der Probleme lösen kannst. Denn sobald du dich mit nur einer Seite beschäftigen würdest, könntest du dir diese Seite so genau anschauen, dass du merkst: »Stimmt ja alles gar nicht!« Oder: »Ist ja gar nicht so schlimm!« Und du würdest einen Weg finden, damit umzugehen und sogar darüber hinwegzukommen. Das geht nicht, wenn deine innere Position dir selbst und anderen gegenüber ständig wechselt. Dadurch bist du so verwirrt, dass du nicht mehr nachvollziehen kannst, worum es eigentlich geht.Du kannst das ganz einfach bei dir beobachten, ganz egal, ob du die Audioquickies oder ein Retreat hörst, ob du bei anderen Lehrern bist und dort im Satsang oder im Retreat. Du kannst die Kommentare deines Verstandes beobachten. Du kannst dir selbst zuhören. Und du merkst, wie dein Verstand mit bestimmten Aussagen in den Widerstand geht. Das kann ein Gefühl, also eine Körperempfindung, oder ein Gedanke sein. Bei Gedanken ist es oft sehr einfach, da sagt er einfach das Gegenteil. Also wenn der Lehrer sagt: »Positiv«, dann sagst du: »Nein, aber könnte man nicht auch sagen: 'Das ist negativ!'?« Und wenn der Lehrer sagt: »Negativ«, dann denkt der Verstand: »Na ja, aber so negativ ist es ja gar nicht!« Als ganz einfaches Beispiel.Zum heutigen Zitat könntest du also zum Beispiel sagen: »Na ja, aber Verrat gibt es doch wirklich.« Und so sind die Zitate nicht gedacht. Du kannst über jede Aussage von jedem Lehrer diskutieren, streiten, nachdenken, hin und her überlegen. Aber dann machst du ja genau das, woraus dich jeder Lehrer herausführen will. Du nutzt also den Lehrer und die Lehre wieder einmal zu deinem Nachteil.Wenn dich jemand verraten hat, lass ihn gehen und nimm dabei alle Konsequenzen in Kauf! Streite nicht mit deiner Realität! Wenn du mit deiner Realität streitest, ist das dein Ego, das an alten Schmerzen und an alten Geschichten festhält. Es besteht darauf, dass es verletzt wurde. Verletzt werden kann aber nur eine Idee von dir. Du selbst bist unverletzbar. Du kannst auch nicht verraten werden. Das machst du selbst schon. Und weil du es selbst schon machst, fühlt es sich auch so an, als würden es die anderen tun.Deine Klarheit, also deine Ehrlichkeit dir selbst gegenüber, verhindert Verrat. Das heißt nicht, dass es das Gefühl verhindert oder den Gedanken. Aber es bedeutet, dass du herausfinden kannst, wo du dich selbst verrätst. Sehr sicher im gleichen Bereich, in dem du dich verraten fühlst und vor allem in der gleichen Situation.Also genau dann, wenn du denkst, andere verraten dich, verrätst du dich selbst. Du hast dich nämlich noch nicht getraut, dir über diese Situation die Wahrheit zu sagen.
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