Die Verhinderung von Depression verhindert Erwachen. Alle wollen dich wieder rausholen. Keiner will dich durchgehen lassen. Keiner will dir sagen: »Das gehört auch dazu!« Und mehr noch: Wenn du Depression wirklich erfahren dürftest und wenn du merken würdest, es macht wirklich keinen Sinn und das ist vollkommen okay, dann wäre es ja plötzlich einfach, dann musst du gar niemanden finden, der dich da rausholt, dann kannst du ja einfach nur leben.Depression ist der Wegfall von Reizen. Buchstäblich nichts reizt dich mehr. Und das finden wir natürlich schlimm, denn wir sind es ja gewöhnt, von einem Reiz zum anderen zu hetzen. Unser gesamter Antrieb entspringt der Jagd nach Reizen. Unser gesamtes Leben war darauf ausgerichtet und die Jagd nach diesen Reizen hat unser gesamtes Handeln bestimmt. Die Jagd nach Reizen war der Sinn unseres Lebens. Und der Wegfall dieses Sinns nennen wir Depression. Tatsächlich ist es unser Erwachen. Unser Erwachen zu der Realität, dass diese Jagd keinen Sinn macht. Wir sagen dann, dass uns diese Erkenntnis in die Depression stürzt. Ein besserer Ausdruck dafür wäre, dass es uns in ein Vakuum zieht. Selbstverständlich halten wir auch dieses Vakuum für einen schlechten und untragbaren Zustand. Tatsächlich ist es der Zustand, der der Fülle vorausgeht. Allerdings nur, wenn du ihn aushalten kannst, zulassen kannst, dasein lassen kannst. So wie er ist. Frei von Gedanken, verankert in deinem Gefühl und dadurch verankert in deinem Körper.Jedes Vakuum saugt. Das heißt, es zieht an. Es kann gar nicht anders. Aber natürlich nur, wenn du das Vakuum auch sein lässt. Wenn du versuchst, es zu verhindern oder so schnell wie möglich wieder zu füllen, kann es nicht funktionieren. Dann kann auch nichts Neues kommen, denn du stopfst das Vakuum mit dem Alten, mit dem Altbekannten. Du kannst es ja mit nichts anderem von dir ausstopfen, denn du kennst ja nur das Alte. Das Neue müsste ja erst einmal angezogen werden dürfen.Aber dazu fehlt uns die Geduld, wir wollen ja schließlich so schnell wie möglich wieder funktionieren. Pause machen wir erst in der Rente. Tatsächlich würde diese Pause jetzt, wo sie angebracht ist, dafür sorgen, dass du nie wieder an Rente denkst. Ganz einfach deshalb, weil du dein Leben dann nie wieder in die Zukunft verschiebst. Auch deshalb, weil du gelernt hast, das, was jetzt hier ist, auch wenn du es als unangenehm bezeichnest, hier sein lassen zu können.Nichts muss sich verändern, bevor es sich von selbst verändert. Das ist die Kompetenz einer Depression. Das ist die Kompetenz, die du durch eine Depression erwerben kannst, vollkommen kostenlos. Die Frage ist nur, ob du dir die Zeit dafür nimmst oder ob du versuchst, die Depression zu verhindern.