Es ist viel schöner, ein Niemand zu sein als ein Jemand. Wenn du jemand bist oder jemand sein willst, erzeugt das jede Menge Stress. Es ist viel schöner, ein Niemand zu sein, keine Bedeutung zu haben. Dann hast du keinen Stress. Es gibt niemanden, der etwas von dir will. Du bist keine Dorf- oder Stadtbekanntheit. Du musst keine Autogrammstunden geben. Du wirst nicht erkannt. Das, wonach unser Ego strebt, ist überhaupt nicht schön. Es kann nur danach streben, weil es vollkommen unreflektiert ist. Es ist nicht schön, überall erkannt zu werden und auf Schritt und Tritt verfolgt zu werden. Es ist purer Stress, wenn dir klar ist, dass überall, wo du hingehst, irgendjemand ist, der dich gerade heimlich oder offensichtlich filmt oder zumindest ganz genau beobachtet, wie du dich verhältst. Es ist gar nicht mehr interessant, wenn dir die ganze Welt zu Füßen liegt.Falls du jetzt gedacht hast: »Na ja, Stefan, das will ich ja gar nicht. Ich streb das doch gar nicht an!«, dann hast du mich nicht verstanden. Dann hast du nicht verstanden, dass das nur ein Beispiel war und dass es nicht darum geht, wer du für andere in der Welt bist. Sondern es geht darum, wer du für dich in dieser Welt bist und was dein Verstand daraus macht. Auch wenn du dieses Spiel nur im Kleinen spielst, wenn du gar kein Star werden, aber zumindest von deinem Chef ein Lob bekommen willst. Oder wenn nicht von deinem Chef, dann wenigstens von deinem Partner. Und wenn nicht von deinem Partner, dann willst du wenigstens noch jemand für deine Kinder sein. Es geht dabei nicht darum, ob du Aufmerksamkeit bekommst und ich sage auch nicht, dass das schlecht ist. Ich weise auf etwas vollkommen anderes hin. Es geht darum, ob du es anstrebst. Denn anzustreben, jemand zu sein, verursacht immer Stress.Bereit zu sein, ein Niemand zu sein, ist der Beginn der Entspannung. Ab diesem Zeitpunkt definierst du dich nicht mehr im Verhältnis zur Welt und du definierst dich nicht mehr über dein Verhältnis zur Welt. Du kannst das erste Mal in deinem Leben vollkommen unbedeutend sein. Das ist die größte Freiheit, die du erfahren kannst und es ist viel schöner, als es sich anhört. Es ist viel schöner, als sich dein Verstand vorstellen kann. Je unbedeutender du nämlich für die Welt wirst, desto bedeutender wird alles, was du erlebst, für dich. Es bekommt sogar zum allerersten Mal überhaupt eine Bedeutung, was du erlebst. Du bist nämlich zum ersten Mal seit Langem nicht mehr nach außen fokussiert. Du schaust nicht mehr auf die anderen, wie sie dich sehen, wie sie dich anschauen, was sie über dich denken könnten und wie du dich verändern könntest, damit sie viel besser über dich denken.All das fällt weg, wenn du bereit bist, für die Welt ein Niemand zu sein. Denn dann musst du dir deine eigene Geschichte über dich selbst nicht mehr selbst erzählen. Du musst nicht mehr daran denken, wer du für die anderen bist und wie du dich entsprechend verhalten musst. Die Bedeutung, die du dir gegeben hast, um jemand zu sein, war sowieso künstlich, sie war ausgedacht. Pure Fantasie, die gleich doppelt nicht wahr ist. Zum einen, weil du es dir nur ausdenkst für dich. Und zum anderen, weil du nur denkst, was der andere gerade über dich denken könnte, denn die meisten sagen es dir ja gar nicht.Es kann dir also gar nichts Besseres passieren, als dass deine Illusion, jemand zu sein, einbricht und du zu einem Niemand wirst.