Die Erfahrung ist viel intimer, als es ein Wort jemals ausdrücken könnte. Es gibt da etwas, das uns ein Leben lang nicht auffällt und wenn es uns auffällt, nehmen wir es einfach hin, statt uns davon erschüttern zu lassen.Und das, was ich meine, funktioniert so: Du hast eine Erfahrung, die du nicht einordnen kannst. Vielleicht macht sie dir Angst, aber es kann sogar eine schöne Erfahrung sein. Unabhängig davon, ob dir die Erfahrung Angst macht oder ob es eine schöne Erfahrung war, sucht dein Verstand nach der Erfahrung nach einem Namen für diese Erfahrung. Er will wissen, was das war. Er will ein Wort dafür und er will eine Erklärung. Wenn es dumm läuft, und meistens läuft es dumm, bekommst du dabei nicht mit, dass die Erklärung sehr allgemein ist.Diese Erklärung repräsentiert überhaupt nicht deine Erfahrung, zumindest nicht zu hundert Prozent. Und trotzdem gibst du dich mit dieser Erklärung zufrieden, denn du willst dich ja selbst beruhigen. Du willst von dieser Erklärung beruhigt werden, dass es etwas ist, was bekannt ist. Denn wenn es bekannt ist, kann es ja nicht mehr so gefährlich sein. Und wenn es bekannt ist, ist mindestens ein Teil deiner Angst unbegründet. Und nur darum geht es! Du willst die Angst nicht fühlen, die du hättest, wenn das, was du erlebt hast, nicht bekannt ist.Viele spirituelle Themen funktionieren so. Da schreibt jemand ein Buch über "Hochsensibilität". Was geschieht da? Da wird dir erklärt, dass es hochsensible Menschen gibt, dann werden Erlebnisse und Verhaltensmuster beschrieben, du erkennst dich wieder und du bist beruhigt. Du bist beruhigt, weil es gibt eine Definition und es gibt auch andere, denen es so geht. Damit bist du aber aus den falschen Gründen beruhigt. Du bist beruhigt, weil es andere kennen.Worum geht es in deinem Leben? Dass du es kennst! Und du lernst es nicht kennen dadurch, dass du über andere liest, die es kennen. Du lernst es nur kennen, indem du es erlebst. Und zwar so intim, dass du niemand anderen mehr fragen brauchst und auch gar nicht kannst.Diesen Mechanismus kannst du bei vielen anderen Themen beobachten, auch im spirituellen Bereich. Ganz egal, ob es um dein Horoskop, dein Enneagram, dein Human Design oder Spiral Dynamics geht, es ist immer die gleiche Flucht. Die Flucht vor dir selbst, wie du wirklich bist. Und das führt zu der einzigen Möglichkeit der Beruhigung, die du kennst: Deine Definition über andere. Und wenn du diesen Mechanismus verstanden hast, dann ist dir vollkommen klar, wie wir funktionieren.Wir sprechen die ganze Zeit so, als hätten wir eine Ahnung, als hätten wir das erlebt, was die anderen erlebt haben und als würden wir dazu passen. Tatsächlich passen wir nicht dazu. Wir haben es nur in Worten so erlebt wie die anderen, nicht tatsächlich. Und wir verwenden die Worte nur, um dazuzugehören. Und wir verwenden die Worte, um anderen zu erklären, was wir nie wieder erleben wollen oder was wir so gerne unbedingt noch einmal erleben würden.Wir verwenden die Worte nicht, um unsere Erfahrung zu teilen, weil unsere Erfahrung viel intimer ist, als es Worte jemals ausdrücken können.