Die Wahrheit braucht einen Wahrhaftigen, der sie ausspricht. Einige werden diesem Zitat zustimmen und sagen: »Ja, genau, wir brauchen mehr Wahrhaftige, die die Wahrheit sagen!« Aber so ist das Zitat gar nicht gemeint. Nur ein Wahrhaftiger kann überhaupt die Wahrheit sagen. Ohne Wahrhaftigen keine Wahrheit. Du kannst die Wahrheit nicht beliebig aussprechen, denn die Wahrheit wird erst durch den Wahrhaftigen wahr. Zwei Menschen können ein und dieselbe Wahrheit sprechen und der eine lügt und der andere sagt die Wahrheit.Im Gegensatz dazu, wie uns Wahrheit beigebracht wird, orientiert sich die Wahrheit nicht an der Objektivität. Wahrheit ist nicht objektiv. Wahrheit ist höchst subjektiv. Sie hängt ausschließlich von dem ab, der sie spricht. Der Wahrhaftige sorgt dafür, dass die Worte tatsächlich zur Wahrheit werden, weil er aus seiner eigenen Erfahrung spricht. Alle anderen sprechen nicht aus eigener Erfahrung, sondern aus dem Impuls heraus und mit der Absicht, etwas zu verdrängen, entweder bei sich oder bei anderen. Dann sind die gleichen Worte nicht mehr die Wahrheit, obwohl die Worte vorher die Wahrheit waren.Das versteht aber kaum jemand und die meisten Menschen denken, es gäbe da draußen eine objektive Wahrheit und die müsste ausgesprochen werden, damit sie sich verbreitet und damit wir endlich frei sein können. Diese Vorstellung widerspricht all unseren Erfahrungen. Wir sind aber maximal trainiert, sprich programmiert darauf, das entgegen unserer Erfahrungen weiterhin so zu sehen, weiterhin davon auszugehen, als gäbe es eine objektiv feststellbare Wahrheit. Die gibt es nicht, die gab es noch nie und die wird es nie geben.So sehr du dir jetzt auch Beispiele überlegst, wann das nicht stimmt: Nimm die Abkürzung! Du bist subjektiv! Du nimmst subjektiv wahr, du bewertest und beurteilst subjektiv. Subjektiv bedeutet nur, es hängt alles mit dir zusammen. Es liegt an dir, nicht an anderen. Subjektiv bedeutet nicht falsch und objektiv bedeutet auch nicht richtig. Objektivität ist nur ein Hirnfick von uns, von dir, von mir und wir sind subjektiv.Es gibt auch keine objektive Wissenschaft. Ganz egal, wie viele Geräte du da zwischen dich und das Objekt oder den anderen stellst, es braucht immer den Betrachter. Ohne das Bewusstsein des Betrachters existiert es nicht. Und zwar selbst dann nicht, wenn es existiert. Denn etwas, was nicht wahrgenommen wird, kann existieren, kann aber auch nicht existieren. Es fehlt der Zeuge.Ohne Zeuge keine Realität und ohne Wahrhaftigen keine Wahrheit.