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    13.7.2023AQ 2057
    »Es gibt kein Allgemeinwissen.«
    0:007:13
    Es gibt kein Allgemeinwissen. Die Idee von Allgemeinwissen ist verrückt. Zunächst braucht es immer jemand, der das definiert und das ist immer willkürlich. Es gibt da keine Logik. Jede Logik in diesem Bereich ist beliebig austauschbar und deshalb immer nur scheinbar. Sie existiert nicht. Es ist also immer die Frage: Wer ist die Referenz? Und wenn du sagst, es ist das, was die Allgemeinheit weiß, dann stellt sich die Frage: Woher weiß die Allgemeinheit das? Und wenn du sagst, das ist aber doch allgemein bekannt, dann stellt sich die Frage: Woher? Und warum ist das allgemein bekannt? Die meisten Dinge, die allgemein bekannt sind, sind falsch. Das bedeutet nämlich, dass es ein einheitliches Weltbild geben müsste und das gibt es ja bekanntermaßen nicht. Mit der Idee von Allgemeinwissen tun wir aber so. Da brauchst du nur einmal das Land oder Europa verlassen und du merkst, das Allgemeinwissen hat sich verändert. Es ist nicht mehr das gleiche. Und in Zeiten von Internet stellt sich diese Frage doppelt und dreifach. Wenn Allgemeinwissen bedeutet, dass ich etwas weiß, sprich, dass ich mir etwas auswendig gemerkt habe, warum sollte ich das tun? Wenn ich etwas wissen will, kann ich jederzeit im Internet nachschauen und ich kann dort sogar verschiedene Quellen nutzen und entsprechend der Quelle bekomme ich eine andere Information als Allgemeinwissen. Je allgemeiner dein Wissen wird, desto beliebiger wird das auch. Da kannst du dann vielleicht noch bei "Wetten, dass!" auftreten oder Kreuzworträtsel lösen, aber es hat für dein Leben absolut gar keine Bedeutung. Vielleicht kannst du damit noch am Stammtisch angeben und jemanden beeindrucken, aber praktisch anwenden kannst du es nicht. Mit dem Allgemeinwissen verhält es sich ähnlich wie mit Lehrplänen und auch wie mit vielen anderen Dingen, selbst mit Gesetzen. Woher kommt das denn? Woher kommt die Anforderung? Die hat sich jemand ausgedacht. Und du denkst dir: »Das kann ja nicht sein! Das ist ja … Es gibt doch einen Lehrplan!« Ja, woher kommt der? Da muss sich irgendjemand hingesetzt haben und der hat sich was ausgedacht. »Ja, aber der hat sich ja an bestimmte Vorgaben gehalten!« Okay. Und woher kommen die Vorgaben? Kann das sein, dass sich da auch jemand hingesetzt hat und sich Vorgaben ausgedacht hat? »Ja, aber der hatte ja auch Vorgaben von jemandem!« Okay. Dann gibt es eine übergeordnete Fantasie und nochmal eine übergeordnete und jeder hat sich nur an die Fantasie seines Vorgängers gehalten, ohne das zu realisieren. Und wir halten uns ernsthaft für intelligent. Und falls du den Einwand hast: »Na ja, aber Stefan, da haben sich doch mehrere hingesetzt und gemeinsam überlegt!« Okay. Dann war es eine gemeinsame Fantasie. »Ja, aber die haben sich doch gegenseitig kontrolliert und wie in der Wissenschaft, das ist doch peer-reviewed.« Ja, dann war es eine peer-reviewed Fantasy. Eine gemeinsame Fantasie mit gegenseitiger Kontrolle, ob die Fantasie denn auch richtig sei. Der einzige Grund, warum man das nicht verstehen kann, ist Arroganz, ein ganz besonders hohes Ross, auf dem wir sitzen und uns etwas auf uns einbilden. Und wir wollen nicht zulassen, dass diese Arroganz vom hohen Ross gestoßen wird. Wenn du das erkannt hast, wird es menschlich und deshalb mit Selbstverständlichkeit fehlbar und weder absolut noch allgemein.