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    1.7.2023AQ 2045
    »Mir ist langweilig.«
    0:0010:08
    Was der Verstand als langweilig und depressiv bewertet, ist die Lösung. Der Verstand bewertet jeden Zustand, in dem er nicht existiert, als negativ. Wenn es zum Beispiel nichts zu tun gibt, dann sagt er: »Mir ist langweilig.« Und wenn du keine Lust hast, dann sagt er dir: »Das könnte eine Depression sein.« Tatsächlich sind diese Zustände die Lösung, denn in diesen Momenten könnte sich deine Anspannung auflösen. Und dadurch wäre er natürlich nicht mehr der Herr im Haus. Findet er nicht gut! Deshalb muss er ein Problem daraus machen und dir weiterhin Probleme einreden. Es wäre sehr blöd für deinen Verstand, wenn die Lösung tatsächlich so einfach wäre und deshalb darf es keine einfachen Lösungen geben. Tatsächlich kannst du die von ihm als schlecht bewerteten Zustände sogar genießen. Du müsstest es nur versuchen, was allerdings natürlich nicht reicht, denn er hört ja nicht auf zu reden. Du müsstest also einen Weg finden, wie du nicht mehr auf ihn hörst, denn den meisten Stress verursacht das ständige Gelaber in deiner Birne. Es ist nicht real und läuft die ganze Zeit. Die meisten Menschen kennen gar keinen anderen Zustand und um aus diesem Zustand niemals rauskommen zu können, bewertet er jeden anderen Zustand als falsch. Genau diese angeblich falschen Zustände sind die Lösung und nicht das Problem. Um das erleben zu können, musst du eine Fähigkeit entwickeln. Und das ist die Fähigkeit, deine Gedanken zu ignorieren. Den meisten Menschen fällt das extrem schwer und das ist sehr wahrscheinlich auch nicht der erste Schritt. Der erste Schritt ist, dass du deine Aufmerksamkeit auf etwas anderes als deine Gedanken legst. Du brauchst sie also nicht verdrängen und auch nicht schlecht machen. Die dürfen ruhig da sein, aber deine Aufmerksamkeit ist woanders. Und eines der besten Hilfsmittel, die ich kennengelernt habe, ist, deine Aufmerksamkeit auf deine Körperempfindung auszurichten. Denn dort ist die Action, dort fühlst du, dort nimmst du wahr. Du nimmst nicht im Kopf wahr. Du nimmst nicht in Form von Gedanken wahr. Du nimmst in Form von Körperempfindungen wahr. Das ist die einzige Wahrnehmung, die es gibt.Alles andere ist im Vergleich dazu marginal. Das heißt nicht, dass es nicht existiert. Aber du kannst es noch gar nicht wahrnehmen, weil du nicht in der Lage bist deine Gedanken zu ignorieren und weil deine Körperempfindungen ständig eine Gegenmaßnahme erfordern. Natürlich nicht die Körperempfindungen selbst, sondern dein Verstand oder ein automatisch programmierter Prozess in dir. Man kann diesen Prozess Übersprungshandlung nennen. Und du kennst eine. Ganz sicher! Ein ganz einfaches Beispiel: Es gibt Situationen, da willst du anschließend dringend Schokolade essen. Wenn du stattdessen die vorherige Körperempfindung wahrnehmen könntest, bräuchtest du keine Schokolade. Erst wenn du diese Prozesse wahrnehmen und deine Aufmerksamkeit davon abziehen kannst, bist du überhaupt in der Lage, in subtilere Bereiche vorzudringen.Das ist übrigens auch ein Grund für das Thema “Dem Weltlichen entsagen". Da geht es in dem Sinn nicht darum, dass das Weltliche schlecht ist. Sondern da geht es darum, dass du in der Lage bist, deine Aufmerksamkeit zu steuern. Und dadurch kannst du dem Weltlichen entsagen, weil du in der Lage bist, deine Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu richten als das Weltliche. Wenn du dem Weltlichen entsagst, ist also nicht das Ziel, mit dem Weltlichen nichts mehr zu tun zu haben, sondern die Tatsache, dass du in der Lage bist, zum Beispiel deine Aufmerksamkeit von Geld abzuziehen. Das Ergebnis muss nicht unbedingt Armut sein, vor allem nicht für den Rest deines Lebens. Genauso bedeutet es nicht, wenn du fasten kannst, dass du nie wieder etwas isst. Fasten kann einfach eine Übung sein, deine Aufmerksamkeit zu steuern.Bei jeglicher Art von Enthaltsamkeit geht es also nicht um den weltlichen Fakt, sondern um die innere Fähigkeit, deine Aufmerksamkeit abzuziehen. Und was bei diesem Thema natürlich die ganze Zeit vergessen wird: Es hängt davon ab, wie du es machst. Und nicht davon, ob du es machst. Denn du kannst allem Weltlichen entsagen, indem du dich selbst geißelst, indem du dich zwingst, indem du mit dir kämpfst. Und das ist nicht, was damit gemeint ist. Was damit gemeint ist, ist ein innerer Prozess, eine innere Ausrichtung. Eine innere Fähigkeit, die du bewusst und freiwillig entwickelst, ohne dich dabei zu quälen. Falsch angewendet — und es wurde die meiste Zeit falsch angewendet — hat es mit dem, was gemeint ist, nichts zu tun. Es ist eher wie ein Experiment, um herauszufinden, wie es ist, wenn du das tust, was der Verstand als langweilig und depressiv bewertet.