Bist du ein Mit-Krieger? Anders gefragt: Kriegst du mit, dass du mitkämpfst? Statt Mit-Krieger müssten wir Mitkrieger sein. Wir müssten mitkriegen, was passiert. Wir müssten mitbekommen, wie wir sind, statt zu kämpfen. Wenn wir kriegerisch sind, müssten wir das mitkriegen. Aber wer will das schon? Es fällt uns doch so viel leichter, es bei anderen mitzukriegen, wenn die kriegerisch sind. Mitkrieger für dich statt für andere, also jemand, der mitbekommt, wie er ist, statt wie die anderen sind. Die anderen einzuschätzen und zu beurteilen fällt uns überhaupt nicht schwer. Ganz im Gegenteil, da haben wir jederzeit eine Meinung. Nur bei uns selbst tun wir uns schwer. Denn wenn wir ehrlich sind, kennen wir das ja, dass wir uns selbst am allermeisten im Weg stehen. Nicht deshalb, weil wir uns ausschließlich boykottieren, sondern weil wir uns gar nicht entscheiden können, wie wir sind. Je nachdem, wer uns darauf anspricht oder ob wir selbst daraufkommen. Und je nachdem welches Thema, tun wir manchmal so, als würden wir gar nichts mitkriegen. Wir verleugnen uns vor uns selbst und natürlich auch vor anderen, weil die Erkenntnisse, die wir mitbekommen müssten, zu schmerzhaft sind. Und falls uns die Erkenntnisse der anderen oder von uns selbst gefallen, dann pushen wir die natürlich. Also auch wenn dir jemand sagt, dass du toll bist, schnappt sich das dein Ego. Und selbstverständlich auch dann, wenn dir jemand sagt, dass du scheiße bist. Und damit stecken wir in einem Dilemma. Denn unser Verstand und damit auch der Verstand der anderen können sich nie entscheiden. Und es bringt auch nichts, wenn du dir selbst erzählst, wie toll du bist, wenn dein Verstand die ganze Zeit dazwischenquatscht. Aber was wäre, wenn du beides nicht sein müsstest? Was wäre, wenn du einfach normal bist und wenn du das mitbekommst, dass du einfach nur normal bist? Dann könntest du einfach sein, denn Normalsein musst du weder dir selbst noch anderen gegenüber verteidigen. Der Verstand macht daraus sofort ein Langweilig, aber auch Stressfrei — und daran denkt er nicht, das hat er nicht auf dem Schirm. Er will dir lieber weiterhin Stress machen können und deshalb darfst du nicht mitkriegen, wie er ist und wie er das macht. Du darfst alles, nur nicht in die Normalität abdriften. Und ich meine damit nicht eine gesellschaftlich anerkannte Normalität. Ich meine eine Normalität jenseits deines Verstandes. Eine Normalität, die dadurch eintrifft, dass du mitkriegst, wie es wirklich ist, was in dir tatsächlich stattfindet, in jedem Moment. Und das, ohne dich erklären oder gar entschuldigen zu müssen. Einfach nur mitbekommen: "Wie ist es für mich? Wie funktioniert es in mir?"’ Dann bist du ein Mitkrieger und kein Mit-Krieger mehr.