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    21.6.2023AQ 2035
    »Wenn du es nicht in Frage stellen kannst, ist es keine Wissenschaft.«
    0:005:58
    Wenn du es nicht in Frage stellen kannst, ist es keine Wissenschaft. Echte Wissenschaft strebt sogar danach, widerlegt zu werden, weil es ihr nicht um absolutes Wissen, sondern um Wissenswandel geht, also um die Wissensentwicklung und die Wissensveränderung. Ein Wissenschaftler, der im Lauf seiner Karriere nicht mindestens hundertmal seine Ansichten geändert hat, war nie einer. Mittlerweile wurde die Wissenschaft gekapert von kleingeistigen, angsterfüllten, pseudo-religiösen Konformisten. Das ist keine Wissenschaft, das ist noch nicht mal ein Abklatsch davon. Ein echter Wissenschaftler weiß, dass er nie am Ende ist. Falls er glaubt, alles entdeckt zu haben, darf man getrost davon ausgehen, dass er kein Wissenschaftler mehr ist und noch nie einer war. Zumindest hat er aber seine wissenschaftlichen Fähigkeiten an der Garderobe abgegeben oder sie unterdrückt, weil er lieber Obrigkeiten nach dem Mund redet, als Wissenschaftler zu bleiben. Ein Wissenschaftler muss immer auch Lebensphilosoph sein, mit praktischer Erfahrung, mit einem Lebenswandel, der nicht daraus besteht, möglichst viel von einer Sache gemacht zu haben, sondern möglichst viele verschiedene Erfahrungen gesammelt zu haben. Wissenschaft ist nicht das, was in angsterfüllten Gesichtern geschrieben steht. Ein Wissenschaftler, der Angst hat, hat seinen Beruf verfehlt. Er hat nicht den Hauch einer Ahnung, was seine Berufung angeht. Sehr wahrscheinlich fühlt er sich auch gar nicht berufen und er macht es für Ansehen, Macht oder Geld. Natürlich nicht bewusst oder nicht immer bewusst und zumindest unhinterfragt, nicht reflektiert und ohne in der Lage zu sein, sein eigenes Leben und seine eigenen Motive zu hinterfragen. Und dabei fest eingebettet in das samtweiche Bett des gesellschaftlichen Konsens und der politischen Korrektheit. Also eingebettet in all das, was ganz sicher keine Wissenschaft ist. Und genau das ist so verführerisch — wie für alle anderen natürlich auch. Unser Streben nach Ansehen, Macht und Geld hält uns von dem ab, wofür wir berufen sind. An sich ist es deshalb sehr einfach. Ignoriere alle drei Verführungen: Ansehen, Macht und Geld — und folge dem, was übrig bleibt, was danach immer noch ist. Alles, was echt ist, darfst du und kannst du in Frage stellen, vor allem dich selbst und dein Streben. Und selbstverständlich auch echte Wissenschaft, denn das müssen Gleichgesinnte sein. Gleichgesinnt nicht im Sinn des Konsens und der Übereinstimmung, sondern gleichgesinnt im Sinne der Spiritualität und Philosophie: Nach Erkenntnis strebend und dabei immer wissend, dass sie nur die Oberfläche berühren und so immer ehrfürchtig vor dem großen Ganzen bleiben.