Eine Grenze ist nur durch den Grad an Unsicherheit definiert, mit dem du dich ihr näherst. Grenzen existieren nicht durch Kontrolle oder Technologie. Eine Grenze existiert durch den Grad an Unsicherheit, den du fühlst, während du dich ihr näherst. Je unsicherer du dich fühlst, desto größer erscheint dir die Grenze. Je selbstverständlicher du dich ihr näherst, desto kleiner erscheint sie dir. Im Extremfall näherst du dich einer Grenze unwissend. In diesem Fall existiert sie nicht für dich und es kann dir aus Versehen passieren, dass du sie überquerst, ohne es zu merken und auch ohne dass andere es merken. Sobald die Grenze in dir nicht mehr existiert, bist du bereits ein Teil der anderen Seite. Überall dort, wo du keine Unsicherheit fühlst, weißt du nicht, dass es eine Grenze gibt. Es gibt also auch nur eine Möglichkeit, Grenzen aufrechtzuerhalten — und zwar durch Unsicherheit. Ohne Unsicherheit keine Grenzen. Sagt das jemand, der sich unsicher fühlt und er wird nicht nur die Grenze, sondern sogar seine Unsicherheit verteidigen, notfalls sogar mit seinem eigenen Leben. Er verteidigt damit nur scheinbar eine physische oder optische Grenze. Tatsächlich verteidigt er ein Gefühl in sich, eine Körperempfindung, die er nicht verlieren will. Ein Mensch, der Grenzen überschreitet, ist bereit, seine Unsicherheit zu verlieren. Er kämpft nicht mehr gegen den Verlust einer Körperempfindung. Ganz im Gegenteil, er fordert seine Gefühle, seine Körperempfindungen so lange heraus, bis sie irrelevant werden oder verschwinden. Er weiß aber auch, dass gar nichts verschwinden muss, weil er ja die Natur dessen kennt, womit er sich beschäftigt. Und diese Natur ist virtuell und nicht echt. Sie ist programmiert und nicht real. Und da er sich nur noch mit der Realität beschäftigt, werden die fantasierten Programme immer unwichtiger. Die Gefühle dürfen alle hier sein, weil sie eben nicht die Realität beschreiben. Sie beschreiben lediglich einen alten, längst vergangenen Teil der Realität. Deshalb sind die wichtigsten Grenzgänger die inneren Grenzgänger. Es kommt nicht darauf an, was und wie viel man nach außen sehen kann, sondern es geht darum, wie viel sich in dir verändert.