Du musst nicht sichtbar werden. Du musst fühlbar werden. Was bringt es dir, wenn dich die Menschen sehen, aber nicht fühlen können? Welchen Wert hat es, wenn du präsent bist? Vielleicht sogar omnipräsent. Viele oder sogar alle kennen dich. Aber niemand weiß, wie es sich anfühlt, in deiner Nähe zu sein? Oder natürlich noch blöder: Es fühlt sich in deiner Gegenwart nicht gut an. Fühlbar musst du aber gar nicht für die anderen werden, sondern für dich. Du musst dich fühlen. Du musst für dich fühlbar sein. Denn du kannst problemlos sichtbar werden, während du dich überhaupt nicht fühlst. Und für die meisten Menschen ist das immer noch der Weg. Sie schalten ihre Gefühle aus, damit sie sichtbar werden können. Würden sie ihre Gefühle nicht abschalten, würden sie nämlich merken, dass es sich gar nicht gut anfühlt, bekannt zu sein, sichtbar zu sein. Zumindest nicht auf die Art und Weise, wie man es zur Zeit schafft, sichtbar zu werden. Die meisten verkaufen sich und ihre Ideale, damit sie sichtbar werden und vor allem auch bleiben können. Wenn du sichtbar sein willst und bleiben willst, wirst du nämlich auch erpressbar, denn du hast ja jetzt ein Ziel. Du weißt ja, was du willst. Denkst du zumindest. Und dieses Ziel verführt dich oder macht dich verführbar. Wenn jemand weiß, was du willst, kann er dich verführen. Er kann dir das geben, was du gerne hättest. Und du bist bereit, vieles dafür zu tun. Das geht nur, wenn du dich nicht fühlst. Würdest du dich fühlen, würdest du den Weg der Sichtbarkeit ziemlich schnell abbrechen. Denn auch bei diesem Wunsch würde sich herausstellen, dass er im Widerstand entstanden ist. Und die Erfüllung von Wünschen, die im Widerstand entstehen, ist gar nicht erfüllend. Ganz im Gegenteil: Die Erfüllung dieser Wünsche ist höchst unbefriedigend und erzeugt neuen Widerstand. Wenn du für dich fühlbar wirst, dann fallen die Wünsche einfach weg. Sie werden irrelevant im Verhältnis dazu, dass du dich fühlen kannst. Denn einen größeren und tieferen Wunsch hattest du noch nie. Es war tatsächlich das Einzige, was du dir gewünscht hast: In diesem Leben ankommen. So, wie es für dich wirklich ist. So, wie es sich für dich tatsächlich anfühlt. Alle anderen Ziele und Wünsche verblassen im Vergleich zu dem. Das ist nämlich kein romantisches Fühlen, das ist ein Hineinwachsen in die Bereitschaft, alles wahrzunehmen, was in dir fühlbar ist. Und das ist ein großes Abenteuer. Denn es ist überhaupt nicht einfach und trivial, sondern höchst herausfordernd. Sichtbarer zu werden, das kann dir sogar von außen gegeben werden, da können dir andere dabei helfen. Dich zu fühlen ist ein Inside-Job. Eine Aufgabe, die du selbst erledigen musst.