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    30.5.2023AQ 2013
    »Viele Menschen auf der Bühne sind eine angepasste Version von sich selbst.«
    0:005:29
    Viele Menschen auf der Bühne sind eine angepasste Version von sich selbst. Es gibt einen Effekt, den konntest du in den letzten drei Jahren sehr gut beobachten. Wenn du in der Öffentlichkeit stehst, weißt du sofort, was du darfst und was nicht. Du weißt sofort, was allgemein anerkannt ist, was du sagen darfst und was kontrovers ist. Manche nennen das einen inneren Zensor. Der Name und die Funktionsweise sind aber nicht so wichtig. Wichtiger ist, dass du es erkennst. Es ist ein Mechanismus in dir, der zuverlässig greift. Und er greift selbst dann, wenn du auf der anderen Seite stehst.Die meisten Menschen trauen sich nicht, sie selbst zu sein, während sie dir sagen, dass du du selbst sein sollst. Sie wissen nur, was allgemein anerkannt ist. Und das wissen sie auch im spirituellen Bereich. Und entsprechend verhalten sie sich. Es ist ja wohl vollkommen klar und da sind wir zwei uns doch wohl einig, dass es in der Spiritualität nur liebevoll geht. Also musst du doch liebevoll sein, wenn du öffentlich auftrittst zum Thema Spiritualität. Und wenn du spirituell bist, dann kannst du doch nicht schlecht über andere reden oder gar lästern.Wenn ich ganz ehrlich bin, dann halte ich das tatsächlich für keine guten Eigenschaften. Aber ich möchte dir an Beispielen zeigen, was ich meine. Es gibt einfach bestimmte Grundsätze, da weißt du genau, was sich gehört und was sich nicht gehört. Und an diesen Grundsätzen versuchst du, dein Bild in der Öffentlichkeit anzupassen. Auch dann, wenn deine Öffentlichkeit nicht beruflich bedingt ist und wenn du nur beim Bäcker in der Schlange stehst und das deine Öffentlichkeit ist.Spiritualität ist eben nichts, was öffentlichkeitswirksam präsentiert werden kann. Jede Form der künstlichen Präsentation versaut Spiritualität. Das ist dann der Unterschied zwischen Inszenierung und Authentizität. Für die Inszenierung braucht es einen inneren Zensor. Spannenderweise ist der auch eine innere Stimme. Und du sollst ja auf deine innere Stimme hören, oder? Da stellt sich jetzt nur die Frage, wie du das unterscheiden kannst.Glücklicherweise gibt es da keine Regeln. Das musst du selbst herausfinden. Du musst dich dabei selbst erwischen, wie du dich zensierst, wie du etwas nicht sagst, was du eigentlich gerade sagen wolltest. Oder wie du etwas sagst, weil man das so sagt und weil du den Satz eines Lehrers auswendig gelernt hast.Und so bleibt es ein Abenteuer, authentisch zu bleiben — ganz egal, auf welcher Bühne du stehst.