Die Probleme von anderen sind Ablenkungen von unserem eigenen Schmerz. Wir kümmern uns um die Probleme der anderen, um von unserem eigenen Schmerz abzulenken. Würden wir das nicht tun, würden wir uns also nicht um die Probleme der anderen kümmern, wäre das erst einmal sehr schmerzhaft für uns. Wir würden denjenigen Schmerz fühlen, den wir bisher mit unserer Problemlösung bei anderen vermeiden wollten. Das ist ein Schmerz, den viele Menschen fälschlicherweise als Mitgefühl bezeichnen. Mitgefühl ist die Kapazität, deine eigenen Gefühle zu fühlen, während du andere beobachtest. Je größer die Kapazität wird, desto weniger willst du eingreifen und manipulieren. Mitgefühl ist also das Gegenteil von dem, was wir darunter verstehen. Wir denken, der Impuls anderen helfen zu wollen, wenn wir sie scheitern sehen, wäre Mitgefühl. Dabei ist diese Hilfe die Übersprungshandlung, damit wir kein Mitgefühl in uns fühlen. Denn sobald wir helfend eingreifen, verändern oder verdrängen wir das Gefühl, das wir fühlen würden, wenn wir nicht eingreifen. Unser Verstand neigt dazu, diese Beispiele auf lebensbedrohliche Situationen zu beziehen, während wir in unserer erlebten Realität diese Situationen, wenn überhaupt, dann nur ganz selten erleben. Der Verstand möchte uns durch extreme Beispiele davon abhalten zu erkennen, was gemeint ist. Er möchte uns davon abhalten, den beschriebenen Mechanismus tatsächlich zu erkennen. Wir müssten dann nämlich feststellen, dass die meiste Hilfe, die wir bisher entweder angeboten oder sogar oktroyiert haben, nicht wirklich hilfreich war. Und das ist ein beschissener Ego-Killer. Selbstverständlich bedeutet das heutige Zitat nicht, dass du nicht helfen darfst. Es bedeutet, dass du dich beobachten kannst, wenn du hilfst. Und je genauer du dich beobachtest, desto wahrer wird das heutige Zitat.