Kein Zustand bleibt. Jeder Zustand vergeht. Der Verstand hält so etwas für eine Binsenweisheit und er hätte auch recht, wenn er es leben würde. Er hält Aussagen für trivial, die trivial sind, wenn du sie umsetzen kannst, beziehungsweise besser gesagt, wenn du sie gar nicht umsetzen musst, weil du sie lebst. Wenn du tatsächlich so lebst wie dieses Zitat, dann lebst du das Gegenteil der meisten Menschen. Denn während sie diesem Zitat zustimmen können und es auch als Binsenweisheit bezeichnen können, leben sie, als würde jeder Zustand bleiben und kein Zustand jemals vergehen. Selbstverständlich stimmt das nicht, aber sie leben, als wäre es so. Vor allem denken sie, als wäre es so. Und das ist das einzige Problem. Du kannst mit deinem Verstand vieles erkennen, erfassen und für gut befinden. Aber du kannst es mit dem Verstand nicht leben. Ein aktiver Verstand ist ein philosophischer Schlaumeier. Der weiß alles, aber er lebt es nicht. Und darauf angesprochen sagt er dir: »Ich will das ja auch gar nicht leben!« Oder er lügt dich an und er sagt: »Ich leb das längst!« Und er lügt dir dabei mitten ins Gesicht. Dabei ist sein Wegfall das Einzige, was bleibt. Das ist der einzige Zustand, der nicht vergeht. Und damit du das nicht verstehst, sagt er dir: »Kann ich alles längst. Weiß ich alles längst. Ist alles Schnee von gestern. Uraltes Zeug. Und außerdem auch sehr trivial. Mir fast schon zu oberflächlich.« Menschen, die dieses Zitat leben, haben keine Wünsche mehr. So kannst du es ganz einfach überprüfen. Die meisten Menschen sind immer auf der Suche nach Zielen und Zuständen. Sie wollen, dass sich die schlechten Zustände verändern und die guten Zustände bleiben. Sie wollen ja auch immer in der Zukunft einen besseren Zustand erreichen. Und der soll ja dann auch nicht mehr vergehen. Sie wollen also einen imaginierten Zustand in der Zukunft, der jetzt noch gar nicht da ist, herbeiführen und nicht mehr loslassen. Oder sie wollen einen Zustand, den sie jetzt gerade als schlecht bewerten, so schnell wie möglich loswerden, bevor sie sich überhaupt die Zeit genommen haben, ihn ausführlich zu untersuchen, in den Zustand einzutauchen und zu erfahren, wie es sich wirklich anfühlt. Frei von Verstandesgeplapper. Und weil alle nach Zuständen und Zielen streben, sind sie auch alle Effekthascher. Bei sich selbst und damit natürlich auch bei anderen. Deshalb wird überall so viel Wert auf den Effekt, auf die Wirkung gelegt, auf das, was temporär ist, auf den Zustand und nicht auf das Bewusstsein. Selbst dann nicht, wenn sie von Bewusstsein sprechen. Denn sie wissen gar nicht, wovon sie sprechen. Sie denken, dass Bewusstsein ein Zustand ist. Aber Bewusstsein vergeht nicht. Bewusstsein bleibt.