Wir kommen als hochsensible Wesen auf die Welt. Je nach Grad unserer Traumatisierung verschwindet diese Sensibilität beziehungsweise wird verdeckt von programmierten Gefühlen, programmierten Gedanken und programmierten Verhaltensweisen. Wenn wir dann herausfinden beziehungsweise wenn uns gesagt wird, dass wir hochsensibel sind, dann machen wir eine neue Schublade auf. Wir denken dann wieder einmal, wir seien die Ausnahme. Wir sind dann froh, den Grund für unser Leid endlich gefunden zu haben. Und während das stimmt, verkennen wir, dass unser Grund für unser Leid auch der Grund für alle anderen ist. Der Grund ist immer: Wir sind hochsensibel geboren und wir wurden abgestumpft oder wir mussten abstumpfen, weil wir das, was wir erlebt haben, nicht erleben wollten. Wenn wir mit unserem programmierten Verstand von Hochsensibilität erfahren und über Hochsensibilität sprechen, dann machen wir wieder einmal einen großen Fehler. Wir nutzen das Thema, um uns von anderen abzugrenzen. Wir sagen dann: »Ich bin hochsensibel.« Und in Klammern, sagen wir zwar nicht, aber wir denken es uns: »Und du nicht!« Oder zumindest: »Ich bin hochsensibler als du. Ich kann mehr wahrnehmen!« Und vor allem: »Ich leide mehr als du.« Der dümmste Effekt davon ist aber ein anderer und der tritt ein beziehungsweise wird fortgeführt, solange der Verstand an der Macht bleibt. Und der geht so: »Ich bin hochsensibel und du musst mich jetzt ganz ganz sanft behandeln. Wenn du das nicht tust, bist du schuld daran, dass es mir schlecht geht.« Damit verwenden wir das Thema Hochsensibilität nicht für unsere Selbsterkenntnis, sondern für den gleichen Blödsinn, für den wir bisher jede andere Erkenntnis auch verwendet haben. Wir erkennen es und wir erwarten eine Veränderung von den anderen statt von uns. Wir wollen uns nicht verändern, denn jede Veränderung ist schmerzhaft. Und als Hochsensible fühlen wir diesen Schmerz natürlich noch viel, viel mehr als die anderen. Und deshalb wollen wir die Veränderung noch weniger. Hochsensibilität bringt dich an deine Grenzen, nicht an die Grenzen der anderen. Es sind deine Grenzen! Und du musst schauen, wie du mit dir umgehst. Nicht die anderen. Du musst erkennen, wenn du aus der Hochsensibilität nur eine weitere programmierte Schublade machst, in der es sich dein Verstand gemütlich einrichtet, um mal wieder nichts zu verändern.