Für einen aktiven Verstand ist es immer 5 vor 12. Und wenn es dann wirklich 5 vor 12 ist, versucht er dir die Situation schönzureden. Du hast dein Leben lang so getan, als wäre es 5 vor 12. 24 Stunden am Tag. Und wenn es dann tatsächlich 1 Minute lang 5 vor 12 ist, hast du dich so sehr daran gewöhnt, dass es dir normal erscheint und du es gar nicht mehr merkst. Du wurdest dein Leben lang in Panik versetzt. Alle möglichen Weltuntergangsszenarien wurden dir vorgespielt. Es gab so viele Dinge, vor denen du Angst haben musstest. Man hat dir immer Angst gemacht vor einer Zukunft, die schlechter wird. Mittlerweile könntest du überprüfen, ob die Horrorszenarien deiner Kindheit, all die vorhergesagten Katastrophen, eingetreten sind oder nicht. Aber mit den Katastrophen ist es wie mit der Karotte vor deiner Nase: Die bleibt immer im gleichen Abstand zu dir. Du wirst sie niemals erreichen. Aber du kannst sie dir ein Leben lang sehr effektiv einbilden und die Idee verfolgen, den Abstand zwischen dir und der Karotte zu verringern. Und genauso hängen die Katastrophenszenarien immer im gleichen Abstand vor dir und du kannst dein Leben lang versuchen, die Katastrophen in der Zukunft zu verhindern, während sie immer im gleichen Abstand vor dir sind. Dieser Versuch ist selbstverständlich zum Scheitern verurteilt, denn du versuchst, etwas in der Zukunft zu verändern ... und das geht nicht. Du versuchst, etwas in der Zukunft zu verändern, was du dir vorher ausgedacht hast. Würdest du es tatsächlich verändern wollen, gäbe es eine ganz einfache Lösung: Du vergisst die eingebildete Idee. Du vergisst, dass du dir für die Zukunft ein Katastrophenszenario ausgedacht hast. Dazu müsstest du natürlich erst einmal erkennen, dass du es dir tatsächlich ausgedacht hast. Meistens haben das ja andere für dich getan. Und sie erzählen dir dann von ihren ausgedachten Katastrophenszenarien und das machen die natürlich so gut, dass du ihnen glaubst. Ein Katastrophenszenario ist aber nichts anderes als ein sehr aktiver Verstand. Du müsstest also lernen und üben, deinen Verstand und damit auch den Verstand der anderen zu ignorieren. Tatsächlich machen wir natürlich das Gegenteil. Wir legen unsere Aufmerksamkeit auf den Verstand. Denn der erzählt uns ja auch, dass es die ganze Zeit 5 vor 12 ist und irgendwie finden wir das ja auch aufregend und spannend. Zumindest haben wir uns aber an diesen Zustand gewöhnt. Und alles, woran wir uns gewöhnt haben, lassen wir nicht gerne los. Wir halten es für normal und können es uns deshalb auch gar nicht mehr anders vorstellen. Wenn du deinen Verstand ignorierst, übst du das erste Mal in deinem Leben, dass es 23 Stunden und 59 Minuten am Tag nicht 5 vor 12 ist. Dadurch merkst du auch, wenn es dann tatsächlich einmal 5 vor 12 ist. Genau 1 Minute. Und in dieser Minute bist du so bewusst und so präsent, dass dich kein Verstand dieser Welt davon abhalten kann, das jetzt gerade Notwendige zu tun. Du brauchst dir dann auch nichts mehr schönreden, denn es ist nicht schlecht. Du hast keine Angst mehr vor 5 vor 12, denn dieses 5 vor 12 kommt nicht in der Zukunft, sondern ist jetzt für 1 Minute hier. Und da du aus eigener Erfahrung weißt, dass es noch 23 Stunden und 59 andere Minuten gibt, ist 1 Minute 5 vor 12 gar kein Problem. Du willst dann 5 vor 12 nicht mehr verhindern, sondern bist bereit, es so zu erleben, wie es wirklich ist.