Wenn du dich fühlst, brauchst du niemanden mehr, der dich sieht. Auch dann, wenn wir gesehen werden wollen, streben wir immer noch nach äußeren Umständen, nach der Veränderung von äußeren Umständen. Wenn du bereit bist zu fühlen, muss sich außen nichts mehr ändern. Denn ab diesem Zeitpunkt realisierst du, dass alles nur und wirklich ausschließlich in dir stattfindet. Niemand kann dich von deinen Gefühlen erlösen, außer du selbst. Kein äußerer Umstand wird es dir jemals leichter machen, weil es hier nicht um äußere Umstände geht. Alles, was du dir wünschst, sind innere Umstände. Und paradoxerweise veränderst du damit, dass du dich nach innen orientierst, auch die äußeren Umstände. Aber nicht so, wie es sich die meisten Menschen vorstellen. Außerdem ist dieser Weg den meisten zu langsam. Sie wollen schnell manifestieren und große Visionen haben und von einem Hoch zum nächsten schweben. Wenn du das kannst, herzlichen Glückwunsch! Du brauchst absolut überhaupt gar nichts verändern. Wenn du das nicht kannst, überleg dir zweimal, ob das tatsächlich ein erstrebenswertes Ziel ist! Und vor allem, schau genau hin, was du tatsächlich willst! Was sollte sich verändern? Ist es dir wirklich wichtig, gesehen zu werden, respektiert zu werden, anerkannt zu sein? Oder könnte es sein, dass du ein Gefühl nicht fühlen willst, das im Körper existiert und dem du einen Namen gibst? Du sagst dann zum Beispiel "Minderwertigkeitsgefühl" dazu und statt deine Minderwertigkeit als Körperempfindung zu fühlen, willst du lieber gesehen werden. Das erscheint dir als der schnellere und erstrebenswertere Weg. Tatsächlich ist es der Umweg. Denn selbst, wenn du ankommst und endlich gesehen wirst, geht dieses Minderwertigkeitsgefühl einfach nicht weg. Deshalb willst du immer mehr: Noch mehr Sichtbarkeit, noch mehr Anerkennung, noch mehr Respekt. Würdest du dein Minderwertigkeitsgefühl als Körperempfindung wahrnehmen, würden dir zwei Dinge auffallen: Als Erstes würdest du merken, dass du der Körperempfindung einen Namen gegeben hast, der gar nicht korrekt ist. Denn tatsächlich fühlst du dieses Minderwertigkeitsgefühl im Bauch, im Hals oder im Brustbereich. Oder vielleicht sogar im ganzen Körper. Aber da ist gar keine Minderwertigkeit, da ist eine Körperempfindung. Die kannst du zwar versuchen zu beschreiben. Die meisten Menschen machen das, indem sie sagen: »Es wird heiß!«, oder »Es sticht!« Einige beschreiben es als Druck. Und das ist bei allen verschieden. Und es ist eben kein Minderwertigkeitsgefühl. Und wenn du das herausfindest, dann kommt der zweite Effekt. Dann merkst du nämlich, dass du gar nicht minderwertig bist, dass das nur ein Gedanke war, den du dieser Körperempfindung zugeordnet hast und von dem du sehr überzeugt warst. Und diese Überzeugung hast du fortgeschrieben, indem du diesen Gedanken wieder und wieder und wieder wiederholt hast. Du konntest gar nicht aufhören, diesen Gedanken zu denken: »Ich bin nichts wert!«, oder »Ich bin minderwertig.« Im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung und auch im Bereich der Spiritualität versuchen Menschen dann, dieses Minderwertigkeitsgefühl loszuwerden, indem sie sich das Gegenteil sagen: »Ich bin wertvoll. Ich bin gut, wie ich bin.« Das Problem dabei ist: Das glaubst du ja selbst nicht! Du kannst es gar nicht glauben, denn die Überzeugung, dass du es nicht wert bist, sitzt viel tiefer. Dies ist eben kein einfacher Gedanke. Es ist erstens ein automatisierter Gedanke und zweitens ein Gedanke, den du meistens gar nicht mitbekommst. Und tatsächlich ist es noch nicht mal ein Gedanke. Es ist eine Körperempfindung und du bist nicht bereit, diese Körperempfindung zu fühlen. Wärst du bereit sie zu fühlen und könntest du sie vollkommen fühlen, wäre dein Minderwertigkeitsgefühl in diesem Moment vollkommen verschwunden. Und wenn dein Minderwertigkeitsgefühl verschwunden ist, brauchst du niemanden mehr, der dich sieht.