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    27.4.2023AQ 1980
    »Den Menschen mangelt es nicht an Visionen, aber an der Fähigkeit, Gedanken zu ignorieren.«
    0:005:40
    Den Menschen mangelt es nicht an Visionen, aber an der Fähigkeit, Gedanken zu ignorieren. Scheinbar finden es viele Menschen erstrebenswert, eine Vision zu haben. Und generell möchte ich gar nicht behaupten, das sei falsch. Die Frage ist nur: Woher kommt sie, die Vision? Und wofür brauchst du sie? Die meisten Menschen entwickeln ihre Visionen, genauso wie ihre Wünsche, aus dem Widerstand zum jetzigen Moment, ohne das erkennen zu können und ohne es zugeben zu wollen. Diese Kröte ist nicht einfach zu schlucken, dass Wünsche aus dem Widerstand zum jetzigen Moment kommen. Und mit Visionen verhält es sich genauso. Denn wozu solltest du eine Vision haben, wenn du mit diesem Moment nicht unzufrieden bist? Welche Wünsche hättest du noch, wenn jetzt, in diesem Moment, alles okay ist? Auch dieses Zitat kannst du auf zwei Arten oder in zwei Stufen verstehen. Die erste Stufe ist: Es erscheint dir logisch. Du verstehst es. Und die zweite Stufe ist: Du erlebst es. Logisch kannst du es relativ schnell erfassen. Um es zu erleben, gibt es zwei Möglichkeiten: Die eine ist die des Glücklichen, des Glückspilzes, der spontan erwacht. Und die zweite braucht ein bisschen länger. Da erinnerst du dich so oft wie möglich — in jedem Moment, in dem du daran denkst, in jedem Moment, in dem es dir möglich ist — daran, dass dieser Moment, so wie er jetzt ist, schon gut ist. Dass du diesem Moment nichts hinzufügen kannst. Dass du ihn nicht verbessern kannst. Im Lauf der Zeit wird dir dann auffallen, und es wird tatsächlich zu deinem Erleben, dass du noch niemals einen Moment verbessert hast, selbst dann nicht, wenn du es versucht hast. Wenn dein Widerstand wegfällt, erkennst du, dass jeder Moment vollkommen in Ordnung ist, so wie er ist, und dass du daran nichts verändern musst und auch nicht kannst. Damit fällt automatisch die Notwendigkeit von Wünschen weg. Und wenn die Notwendigkeit von Wünschen wegfällt, fällt gleichzeitig auch die Notwendigkeit von Visionen weg. Aus der Idee, die Welt verändern zu wollen (und damit auch andere Menschen verändern zu wollen), entsteht all der Wahnsinn auf dieser Welt. Wenn ich mit der Veränderung bei mir beginne, dann brauchen sich die anderen nicht mehr verändern. Dann brauche ich auch keine Vision mehr von einer besseren Welt oder von anderen besseren Menschen, denn ich kann damit ja in jedem Moment bei mir beginnen. Dazu braucht es weder Gedanken noch Visionen. Es braucht nur die Fähigkeit, deine Gedanken genauso zu ignorieren wie deine Visionen.