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    20.4.2023AQ 1973
    »Irgendein Mond ist immer.«
    0:005:33

    Und heute ist übrigens Neumond.

    Wenn etwas zyklisch verläuft, dann wiederholt es sich, ohne dass es sich wiederholt, denn du bist nicht mehr die Gleiche. Jeden Tag gibt es einen Mittag und eine Mitternacht, alle vierzehn Tage gibt es einen Vollmond oder einen Neumond, und jedes Jahr gibt es eine Sommersonnenwende und eine Wintersonnenwende und dazwischen gibt es jede Menge Portaltage. Irgendetwas ist immer. Und falls gerade nichts ist, dann gibt es Sonnenstürme oder Sonnenflecken. 

    Und während wir den Mond als Ganzes betrachten, sehen wir gar nicht, was er uns zeigt. Dabei ist es noch nicht einmal versteckt. Es ist vollkommen sichtbar. Es fällt uns nur nicht auf. Es fällt uns nicht auf, weil niemand darüber redet. Sichtbar wäre es. Wir sehen es trotzdem nicht. Wir sehen es nicht, weil es uns niemand gesagt hat. Hätte es uns jemand gesagt, würden wir es sehen. Wir sehen also nur, was uns gesagt wird, nicht, was wir sehen. Und während wir die Welt derart eingeschränkt wahrnehmen, sind wir felsenfest davon überzeugt, dass uns alles auffällt, dass wir alles sehen, was es gibt. Und tatsächlich sehen wir nicht einmal einen Bruchteil dessen, was existiert. Wir lenken unseren Blick auf Gelerntes, nicht auf Sichtbares. Und wir beschränken uns bei unserer Beobachtung auf das, was schon immer beobachtet wurde, was am auffälligsten ist und was uns gesagt wurde. 

    Wir sehen also den Zyklus des Mondes und dabei verpassen wir sein größtes Geheimnis, das gar keins wäre, wenn wir hinschauen würden. Doch selbst, wenn ich es dir zeige oder beschreibe, wirst du es nicht glauben und deshalb nicht sehen können. Du wirst es anzweifeln, weil man dir etwas anderes erzählt hat. Du glaubst an eine andere Geschichte. Diese Geschichte kann wie jede andere Geschichte auch frei erfunden sein. Doch die meisten Menschen halten sie für die Realität. Sie halten diese Geschichte sogar für so wahr, als hätten sie sie selbst erlebt. Und einige würden sogar behaupten, sie haben sie selbst erlebt, weil sie etwas gesehen haben. 

    Doch das, was die ganze Zeit sichtbar ist, sehen sie nicht. Es bleibt ihnen verborgen, weil sie an eine andere Geschichte glauben.