Lebe, als gäbe es keine Zuschauer, keinen Verstand und kein Ego. Die Zuschauer sind in allererster Linie in deinem Kopf. Dein Verstand und dein Ego sind die Zuschauer. Sie tun zumindest so. Sie spielen diese Zuschauer in deinem Kopf. Sie bilden sich und damit dir ein, es gäbe diese Zuschauer und es gäbe diese Urteile über dich, die tatsächlich dein Verstand über dich selbst hat. Diese Urteile sind in dir. Natürlich kann es sein, dass du sie auch außerhalb von dir antriffst, dass du Menschen triffst, die dich tatsächlich verurteilen. Aber im Vergleich und im Verhältnis dazu, wie oft diese Zuschauer mit ihren Urteilen in dir sind, sind diejenigen außerhalb vollkommen vernachlässigbar. Denn in dir sind sie die ganze Zeit und du wirst sie auch schon die ganze Zeit nicht los. Du wärst sie gerne los, aber sie quälen dich von morgens bis abends und auch noch beim Einschlafen. Und dann hören sie noch lange nicht auf. Sie schleichen sich auch in deine Träume. Du bist nie ohne sie in dir. Manche versuchen, sie zu verdrängen oder zu unterdrücken. Und die meisten scheitern damit. Du müsstest etwas entdecken, was so offensichtlich und gleichzeitig vollkommen verborgen ist. Dir müsste auffallen, dass du derjenige bist, der die Aufmerksamkeit auf etwas lenkt. Und dieses Du können nicht deine Gedanken sein, denn sonst könntest du deine Aufmerksamkeit von den Gedanken nicht abziehen. Aber das kannst du! Das liegt im Rahmen deiner Möglichkeiten und das ist eine Fähigkeit, die du üben kannst. Und egal, wie beschissen, gefährlich, herausfordernd oder deprimierend die Umstände sind, in denen du dich befindest: Kein Mensch kann dich davon abhalten — außer dir. Und das, was dich davon abhält, bist nicht du. Das ist der vorgestellte und ausgedachte Zuschauer in deinem Kopf: Dein Verstand oder auch dein Ego, das dir sagt: »Ach, das bringt doch nichts. Du kannst das gar nicht! Du brauchst es also gar nicht erst versuchen. Es ist zu schwierig. Glaub doch nicht dem Stefan! Glaub mir! Ich weiß es besser.« Und so lullt er dich ein. So behält er dich im Griff. So dominiert er den Teil, der ihm die Aufmerksamkeit gibt, aber auch wieder entziehen könnte. So überzeugt er dich, dass es ganz schlecht wäre, ihm keine Aufmerksamkeit mehr zu geben. Tatsächlich wäre das natürlich das Beste, was du machen kannst. Und wenn du das machst, dann lebst du so, als gäbe es keine Zuschauer, keinen Verstand und kein Ego.