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    18.4.2023AQ 1971
    »Bevor wir jeden so sein lassen können, wie er ist, müssen wir erst einmal so sein, wie wir sind.«
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    Bevor wir jeden so sein lassen können, wie er ist, müssen wir erst einmal so sein, wie wir sind. Wir müssen erst einmal in der Lage sein, uns so sein zu lassen, wie wir sind. Mit anderen ist es einfacher. Mit uns selbst tun wir uns unendlich schwer, denn die meisten denken, der Fehler liegt bei ihnen. Außerdem hängt mit dem ‘andere so sein lassen, wie sie sind’ sehr oft zusammen, dass wir uns dann nicht so sein lassen, wie wir sind. Es könnte zum Beispiel sein, dass wir sauer sind. Und wir denken dann, wir dürfen nicht sauer reagieren, weil wir den anderen ja so sein lassen sollen, wie er ist. ‘Den anderen so sein lassen’ wird also sehr schnell zur spirituellen Falle, denn für die meisten bedeutet das Selbstverleugnung. Und das ist noch der Idealfall. Im dümmsten Fall geht es bis zur Selbstaufgabe. Deshalb ist Spiritualität ein Tanz auf dem Vulkan. Unser Lehrer sagt etwas. Wir verstehen es. Wir erkennen es auch als richtig, aber wir fühlen es noch nicht oder wir können es noch nicht leben. Wir haben nicht die Geduld, so lange zu warten, bis es in uns tatsächlich auch so ist. Und dann sagen die großen Meister und Weisheitslehrer, dass man jeden so sein lassen muss, wie er ist. Und wir versuchen es mit der Brechstange und das geht dann gegen uns selbst. Statt jeden so sein zu lassen, wie er ist, könntest du dich auch von ihm trennen. Du könntest dich distanzieren, weil es an der Zeit ist, weil es nicht mehr notwendig ist, dass du alles auf dir sitzen lässt oder alles aushältst. Das kann dir ja keiner vorgeben, wann dieser Zeitpunkt gekommen ist. Das musst du selbst herausfinden. Den anderen so sein zu lassen, kann also sowohl ein Zeichen von Erleuchtung sein als auch ein Zeichen von Selbstaufgabe. Und selbstverständlich kannst du auch in dieser Selbstaufgabe bewusst sein und damit üben. Das Problem sind nämlich nie die Umstände, sondern der Mangel an Bewusstsein.