Menschen in deinem Umfeld fühlen ihre Gefühle in dem Maß, in dem du deine Gefühle fühlst. Wir haben die Neigung, auf die anderen zu warten und auf die anderen zu schauen, was die machen. Wenn wir damit beginnen, unsere Gefühle zu fühlen, hätten wir sehr, sehr gerne, dass die anderen gleich und sofort auch damit beginnen. Es würde ihnen doch so sehr helfen. Es wäre doch so viel besser, wenn sie das gemeinsam mit uns machen würden. Aber das geht nicht, denn damit verbindest du eine Erwartung. Du erwartest, dass andere ihre Gefühle fühlen, weil du sie fühlst. Und meistens schlimmer noch, du erwartest, dass die anderen damit beginnen. Sie sollen vorlegen, sie sollen den ersten Schritt gehen oder zumindest den zweiten gemeinsam mit dir. Jetzt, wo du angefangen hast, deine Gefühle zu fühlen, könnten es doch alle machen. Gleichzeitig weißt du aus eigener Erfahrung, wie lange du es nicht getan hast, wie lange es bei dir gebraucht hat, bis du damit beginnen konntest und dass es dir auch nicht angenehm gewesen wäre, wenn andere von dir erwartet hätten, dass du es tust, nur weil sie es tun oder weil sie planen, es zu tun. Deine Bereitschaft, deine Gefühle zu fühlen, muss unabhängig sein von den anderen. Es darf an keine einzige Bedingung geknüpft sein. Sobald du es an Bedingungen knüpfst, ist es nicht mehr pur, nicht mehr rein, nicht mehr ehrlich. Es wird durch deine Bedingungen verwässert. Es bekommt einen fahlen Beigeschmack. Du machst es, damit andere sich verändern. Dabei kennst du doch das Zitat, dass du die Veränderung sein sollst, die du dir in der Welt wünschst. Jeder kennt es, jeder hält es für richtig und keiner hält sich daran. Spannend, wie man etwas mit dem Verstand begreifen und für wahr halten kann, während man in der Praxis grandios scheitert. Dabei ist es so, dass du den Raum zur Verfügung stellst für andere, dir zu folgen, wenn du es wirklich tust — unabhängig davon, was die anderen machen. Sobald du voran gehst, gibt es die Möglichkeit, dir zu folgen. Aber auch erst dann, wenn du voran gehst und nicht vorher. Und wenn du deine Gefühle wirklich im Körper fühlst, dann wirst du feststellen, dass die Notwendigkeit verschwindet, dass dir andere folgen sollten. Du kreierst ein Vakuum und das Vakuum kümmert sich nicht darum, womit es gefüllt wird. Und es geht dir auch gar nicht darum, etwas zu kreieren, weder für dich noch für andere, denn dann wäre schon wieder eine Absicht damit verbunden, deine Gefühle zu fühlen. Du musst es aber absichtslos machen, damit du es tatsächlich tust, damit es tatsächlich stattfinden kann. Sobald du eine Absicht damit verbindest, ist es nicht mehr echt. Und sobald du es absichtslos machst, gibt es das erste Mal die Möglichkeit, dir zu folgen, ohne dass es notwendig ist. Warte nicht auf die anderen. Mach es nur für dich. Beobachte noch nicht einmal dein Umfeld dabei, beobachte nur dich. Vieles, was du jetzt noch für notwendig hältst, wird im Lauf der Zeit einfach überflüssig. Die anderen verschwinden in deiner Fähigkeit, deine Gefühle zu fühlen.