Um etwas lernen zu können, brauchst du mindestens eines: Ehrfurcht oder Lust. Die Sache mit der Lust verstehen die meisten noch, bei Ehrfurcht wird es schon schwieriger. Dabei ist Ehrfurcht noch einfacher und nicht das, was sie sich darunter vorstellen. Ehrfurcht ist weder Erniedrigung noch Überhöhung. Ehrfurcht sorgt für den Niveau-Unterschied, der dann wiederum dafür sorgt, dass etwas fließen kann. Das funktioniert natürlich nur ehrlich. Genau wie bei der Lust. Du kannst weder Ehrfurcht noch Lust vortäuschen. Und selbst wenn du es kannst, bringt es dir nichts, denn es geht ja um dich und nicht, wie du gegenüber anderen erscheinst. Es geht ja darum, ob es bei dir wirkt und damit es wirkt, muss eines von beiden ehrlicherweise da sein: Ehrfurcht oder Lust. Im Idealfall ist es sogar eine Kombination aus beidem: Der Spaß, von jemandem lernen zu dürfen. Lernen ist ja ein großes Mysterium unserer Zeit. Viele Menschen fragen sich, wie Lernen funktioniert. Dabei ist es so einfach! Der einzige Grund, warum wir uns die Frage stellen, wie Lernen funktioniert, ist der, dass wir alles tun, um nicht lernen zu können. Das gesamte Schulsystem, inklusive Universitäten und auch der meisten Fort- und Weiterbildungen, ist so aufgebaut, dass Lernen nicht möglich ist. Es wird durch die Struktur der Inhalte, aber vor allem durch den Grund, warum Menschen etwas lernen sollen oder müssen, komplett verunmöglicht. Denn Menschen suchen sich das, was sie lernen, nicht dadurch aus, dass sie Ehrfurcht oder Lust haben. Sie suchen es sich manchmal sogar gar nicht selbst aus . Sie müssen es einfach lernen, ob sie wollen oder nicht. Und wenn sie es sich selbst aussuchen, dann suchen sie es sich aus den falschen Gründen aus. Zum Beispiel, weil sie denken, wenn sie das lernen, verdienen sie Geld. Oder, wenn sie das lernen, bekommen sie Lob und Anerkennung. All das sind die falschen Gründe, um etwas wirklich lernen zu können. Und die meisten dieser Gründe stehen dem Lernen diametral gegenüber. Sie machen Lernen fast unmöglich. Die meisten Menschen können sich gar nicht mehr vorstellen, wie es ist, etwas aus eigenem Antrieb zu lernen. Es wurde uns so oft und so lange gesagt, dass wir etwas lernen müssen und was wir lernen müssen, dass wir uns überhaupt nicht mehr vorstellen können, wie es ist, aus Freude zu lernen, aus Begeisterung und mit Ehrfurcht vor dem Lehrer. Für einige mag das jetzt fast diametral entgegengesetzt wirken zu dem, was sie sonst von mir kennen. Aber eine der besten und einfachsten Möglichkeiten, etwas zu lernen, ist, deinen Lehrer zu verehren. Ich verstehe auch, wenn das bei einigen oder sogar vielen Lehrern nicht möglich ist. Aber wenn du in einem bestimmten Bereich wirklich etwas lernen willst, dann such dir einen Lehrer aus, den du verehren kannst! Denn diese Ehrfurcht sorgt dafür, dass es einen Niveau-Unterschied gibt, der wiederum dafür sorgt, dass das Wissen deines Lehrers in dich hineinfließt. Das ist wahrscheinlich die ungewöhnlichste Lehrmethode, die du jemals gehört hast, aber gleichzeitig auch die effektivste. Wenn du es als Gnade empfindest, von jemandem lernen zu dürfen, geschieht Lernen vollkommen anstrengungsfrei und ohne Auswendiglernen von ganz allein. Es ist auch ein ganz anderes Lernen. Dieses Lernen hat einen riesigen Qualitätsunterschied, denn du lernst nicht Inhalte. Du lernst etwas, was dahinter ist. Das lässt sich gar nicht beschreiben, was das ist. Am besten kann ich es so ausdrücken: Du saugst den Geist auf. Der Geist fließt in dich hinein. Das ist Lernen, wie es an den meisten Schulen leider nicht stattfindet. Schuld daran sind sowohl die Lehrer als auch die Schüler. Die Lehrer, weil sie keine echten Vorbilder sind und weil sie sich auf ihr Wissen etwas einbilden und es sogar dafür nutzen, Schüler zu unterdrücken. Sie verwenden Wissen zur Demütigung und um Schüler bloßzustellen. Aus diesem Verhalten lässt sich natürlich keine Ehrfurcht ableiten. Und Schüler sind nicht ehrfürchtig. Sie verehren ihre Lehrer nicht. Manchmal ist es nicht möglich, weil sich die Lehrer wie beschrieben verhalten. Und manchmal verstehen die Schüler nicht, dass es ihnen selbst zugutekommen würde, wenn sie es trotzdem tun würden. Selbstverständlich wäre dafür eine Voraussetzung, dass sich Schüler ihre Lehrer selbst auswählen dürfen. Dann wäre das alles extrem einfach. Dann würden Schüler Lehrer wählen, die sie verehren. Und die Lehrer hätten dadurch die Möglichkeit, in ihre Schüler hineinzufließen. Das ist echtes Lernen. Lernen mit Ehrfurcht und Lust.