Der Kern von Spiritualität ist Selbstbeobachtung. Und zwar Selbstbeobachtung jenseits der Programmierung, jenseits deines Verstandes. Mit Selbstbeobachtung ist dabei nicht gemeint, dass du dich kritisch analysieren solltest, dass du dich ständig hinterfragst, dass du nach Fehlern suchst. Nach Fehlern in deinem Leben, nach Fehlern in dir. Selbstbeobachtung ist vollkommen neutral. Es ist nur: Wahrnehmen, was jetzt hier ist. Du analysierst es nicht. Du stellst nur fest, was jetzt hier ist. Du beobachtest als neutraler Beobachter, nicht als Richter und auch nicht, um irgendetwas zu erreichen. Es gibt kein Ziel und kein Ergebnis deiner Selbstbeobachtung. Das, was sich daraus ergibt, ergibt sich von selbst. Du musst dazu nichts tun. Alles darf so sein, wie es ist. Und ich meine wirklich alles! Auch deine Wut, dein Hass, deine Angst, dein Ärger, dein Frust, deine Verzweiflung und letzten Endes immer wieder deine Trauer. Und selbstverständlich dürfen auch deine Gedanken da sein, so wie sie sind. Wichtig ist nur, dass dir auffällt, dass es nur Gedanken sind. Nicht mehr und nicht weniger. Deine Gedanken sind nicht deine Gefühle, denn es sind keine Körperempfindungen. Und deine Gedanken lösen auch nichts aus, ganz im Gegenteil, sie überdecken etwas. Und auch das kannst du frei von Urteilen beobachten. Du musst nicht wissen, woher die Gefühle kommen. Du musst nicht wissen, woher die Gedanken kommen. Und du musst auch nicht wissen, wie du sie loswirst. Es macht auch nichts, wenn dir die Selbstbeobachtung nicht gelingt, wenn du es vergisst, wenn du dich in Gedanken versunken oder sogar in einer Gedankenattacke wiederfindest. Selbstbeobachtung ist keine Selbstreflexion. Es geht nicht darum, dich zu ergründen und herauszufinden, wie du dich verbessern kannst. Durch Selbstbeobachtung kommst du wieder in deiner tatsächlich erlebten Realität an. Du versuchst, nichts mehr zu vermeiden und du dichtest auch nichts mehr dazu. Alles darf so sein, wie es ist. Und trotzdem darf es dir auch auffallen, wie es ist, wie es wirklich ist — jenseits deiner Gedanken. Jenseits deiner Gedanken deshalb, weil wenn du deine Gedanken beobachtest, dann ziehst du nicht mehr in deine Gedanken ein. Du beobachtest sie gewissermaßen von außen, nicht mehr von innen. Meistens glauben wir unseren Gedanken, als wären wir sie. Wir sind aber nicht unsere Gedanken. Wir sind jenseits davon. Und wenn du deine Gedanken beobachtest, ist es etwas anderes, wie wenn du dich mit ihnen identifizierst und wenn du so tust, als könntest du mit Hilfe der Gedanken irgendein Problem lösen. Selbstbeobachtung ist neutral und deshalb der Kern von Spiritualität.