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    26.3.2023AQ 1948
    »Verständnis findet nicht im Kopf statt.«
    0:007:49
    Verständnis findet nicht im Kopf statt. Selbst Verstehen findet nicht im Kopf statt. Aber das verstehen wir nicht. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der es sehr wichtig war, dem anderen seine Meinung zu sagen. Den anderen zu überzeugen, dem anderen sich zu erklären, aber natürlich auch, dem anderen zuzuhören. Wir denken dann: »Na ja, okay, das ist ja ausgewogen. Also passt es ja. Ich hör zu und ich sag etwas. Und so erkläre ich mich und deshalb verstehe ich den anderen.« Tatsächlich hat niemand den anderen wirklich verstanden. Ganz oft gab es Streit, wer richtigliegt. Und ganz selten nur gab es ein gefühltes Verständnis. Verständnis hat damit zu tun, ob du bereit bist, alles zu fühlen, was der andere in dir auslöst. Lass dir diesen Satz auf der Zunge zergehen! Verständnis findet statt, wenn du bereit bist, alles zu fühlen, was der andere in dir auslöst. Es geht also um das gefühlte Verständnis, um das gefühlte Verstehen, nicht weil du dich in den anderen hineinversetzen kannst (was ja angeblich so wichtig ist). Es geht darum, ob du dich in dich hineinversetzen kannst. Und das kannst du nicht. Keiner kann das. Weil uns beigebracht wurde, das nicht zu tun. Uns wurde beigebracht, unsere Gefühle nicht zu fühlen und stattdessen nach guten Argumenten zu suchen, wie man den anderen von seiner Position überzeugen kann. Das ist also genau das Gegenteil von Verständnis. Es geht aber auch nicht um Mitgefühl mit dem anderen. Wir sprechen dann gerne von Empathie: »Na ja, ich kann ihn ja auch verstehen.« Nein, kannst du nicht! Du kannst ja noch nicht einmal dich verstehen. Du weißt ja noch nicht einmal, warum du fühlst, was du fühlst. Wie solltest du verstehen, warum der andere fühlt, was er fühlt. Es geht nur um Gefühle. Der einzige Grund für Argumentationen sind Gefühle. Ohne Gefühle brauchst du nicht argumentieren. Bevor du aber diese Wahnsinns-Aufgabe, die auch eine Wahnsinns-Leistung wäre, angehst, dass du den anderen und seine Gefühle verstehst, solltest du erst einmal bei dir anfangen und dich und deine Gefühle verstehen. Wenn du das tust, dann ergibt sich das Verständnis für den anderen von ganz allein. Das heißt nicht, dass du es gutheißt, aber du kannst ihn verstehen. Denn du bist in der gleichen Situation. Du bist in der gleichen Situation wie er. Du hast ein Gefühl und du willst, dass man dich versteht. Dazu verwendest du Argumente statt Gefühle. Du fühlst nicht deine Gefühle, du verdrängst sie mit deinem Argument. Das hat noch nie funktioniert, das funktioniert nicht und das wird nie funktionieren. Du wirst niemals tiefes Verstehen dadurch auslösen, dass du Argumente austauschst.Tiefes Verstehen ist immer ein Austausch von Energien. Aber das bringt nur demjenigen etwas, der in der Lage ist, seine Energien zu fühlen. Menschen, die ihre eigenen Energien nicht fühlen können, brauchen gar nicht erst anfangen, beim anderen Energien zu fühlen. Das ist ein unfassbarer Witz. Ein Witz, von dem die gesamte spirituelle Szene befallen ist. Von den anderen ganz zu schweigen.Natürlich ist das alles politisch unkorrekt, was du da jetzt gerade von mir hörst. Dein Verstand hat tausend Argumente, warum das falsch ist und warum man das nicht macht als Spiritueller. Ich mach's! Ich bin bereit, auch diesen Schleier von dir zu nehmen, was man darf und was man nicht darf. Ich darf das, weil ich es sehe und weil ich es fühle. Ich bin deshalb nicht besser als andere, aber ich fühle es. Und weil ich es fühle, bin ich in der Lage, befähigt, es auch auszusprechen. Wohlgemerkt nicht, weil ich recht habe. Es ist mir vollkommen egal, ob ich recht habe, weil ich fühle. Und wenn ich fühle, weiß ich. Wenn ich nicht fühle, habe ich keinen blassen Schimmer. Egal, wie viel man mir erklärt. Und egal, wie viel ich mir einbilde zu wissen.Ich weiß nichts, aber ich fühle alles.