Unsere Idee zu helfen, verunmöglicht echte Hilfe. Helfen ist so eine süße Versuchung! Die meiste Hilfe ist keine. Denn wenn wir ganz ehrlich sind, wissen wir gar nicht, wo wir da gerade eingreifen. Wir wissen nicht, wo der andere gerade steht, was er gerade braucht. Wir können es auch gar nicht wissen, denn das weiß er selbst nicht genau. Und falls er behauptet, es zu wissen, hat er nicht genau genug hingeschaut. Es ist einfach, Hilfe zu brauchen, aber wir wissen gar nicht, ob die Hilfe auch hilft. Bei vielen Helfern ist es so: Sie sehen Hilfsbedürftige, sie fühlen Leid und deshalb wollen sie helfen. Ein mitleidender Helfer braucht und erzeugt Hilfsbedürftige. Jede Hilfe verhindert echte Entwicklung. Die Hilfe ist also keine, sie steht im Weg. Sie ist das, was dafür sorgt, dass die Situation so ist, wie sie ist. Erst wenn keine Hilfe mehr kommt, kann ich bei mir selbst schauen. Wenn ich von Hilfe nicht mehr abgelenkt bin, kann ich erkennen, dass mein Wunsch nach Hilfe mit einem Widerstand verbunden ist. Und zwar damit, dass ich es so, wie es jetzt gerade ist, nicht in Ordnung finde. Mit dem, wie es jetzt ist, will ich nicht in Frieden fallen. Ich wünsche mir Hilfe und ich habe Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Dabei verpasse ich diesen Moment, wie er wirklich für mich ist und übe, auf eine bessere Zukunft zu hoffen. Und das, was ich übe, kann ich natürlich mit mehr Übung immer besser und besser. Ich werde also besser darin, auf eine bessere Zukunft zu hoffen. Und jeder, der mir hilft, hält mich davon ab, diese Illusion zu durchbrechen. Falls du mir widersprechen möchtest, ist es sehr wahrscheinlich, dass du in eine Falle getappt bist, denn der moralische Zeigefinger ist sehr leicht zu erheben und so schwer zu erfüllen und auch so schwer wieder zu senken. Wir denken immer noch, wir könnten irgendetwas verhindern. Aber warum sollten wir ständig eingreifen, obwohl wir die Komplexität der Vorgänge nicht einmal ansatzweise durchschauen? Ein schlechtes Gewissen ist eine Programmierung und Hilfe aus einem schlechten Gewissen fühlt sich für beide Seiten gar nicht gut an. Die beste Hilfe ist die Hilfe ohne Hoffnung und ohne Wunsch auf Veränderung. Eine Hilfe ohne Sinn und Zweck und aus purer Freude.