Menschen kommen mit einem Leben ohne »Ich« nicht klar. Das ist der Grund, warum so wenige Menschen erleuchtet sind, und warum Menschen, die das erleben, sich nicht als erleuchtet fühlen. Ein Leben ohne ‘ICH’ ist für die meisten unvorstellbar und auch nicht wünschenswert. Es soll ja Menschen geben, die sich Erleuchtung wünschen und ihnen ist gar nicht klar, was sie sich da wünschen, wie bei allen anderen Wünschen natürlich auch. Wir wünschen uns immer etwas, was wir vermeintlich nicht haben. Erleuchtung ist aber nichts, was du besitzen kannst. Es ist etwas, das eintritt, wenn alles wegfällt. Es macht also keinen Sinn, danach zu streben, als wäre es ein weiteres Ziel in deinem Leben. Das kann nicht funktionieren. Du musst alle Ziele vergessen und bereit sein, alles zu verlieren. Und das will niemand, denn Wünsche sind das Gegenteil davon. Wünsche sind die Idee, dass du dir etwas hinzufügen könntest. Etwas, das von außen kommt und das dich wertvoller, glücklicher oder attraktiver macht. Was dich begehrter macht, das sind also alles noch Ideen deines Egos. Und diese Ideen und Wünsche können niemals erfüllt werden, denn sobald du sie erreicht hast, beginnt das Begehren wieder von vorne. Dann sind es neue Ideen, neue Wünsche, aber es ist das alte Begehren. Die alte Programmierung, die dir etwas hinzufügen möchte, was dich wertvoller und attraktiver erscheinen lässt. Für das Ego ist es unvorstellbar, dass Erleuchtung etwas ist, bei dem etwas wegfällt, nämlich der Teil, der Angst davor hat und sich nicht vorstellen kann, dass etwas wegfällt, es selbst nämlich … und du trotzdem immer noch da bist. Dabei hast du das schon oft erlebt. Du hast es nur nicht mitbekommen, besser gesagt, der Teil, der Angst davor hat, hat es nicht mitbekommen. Du hast es erlebt, wenn du so tief in einer Sache versunken warst, dass du gar nicht mehr gemerkt hast, dass du noch da bist. Und du erlebst es jede Nacht, wenn du traumlos schläfst. Du bist einfach nicht da und es ist gar kein Problem, weil der Teil, für den es ein Problem sein könnte, nichts davon mitbekommt. Wenn du also Erleuchtung anstrebst, strebst du etwas an, das du schon kennst und das schon immer hier ist. Es ist dann hier, wenn das andere wegfällt. Und wenn das andere wegfällt, fällt es dir auf, dass das schon immer hier war, aber es fällt dir nicht auf, weil dieses ‘ICH’ nicht mehr da ist. Es ist also ein Paradox, das du gar nicht anstreben brauchst.