Wir können uns im Widerstand begegnen oder in der Offenheit. Im Widerstand geht es um Diskussionen, Meinungen, Recht haben, der andere liegt falsch, der andere versteht dich nicht. Kurz gesagt, im Widerstand geht es um die Unterschiede. Diese Unterschiede sind aber nur ein Ergebnis des Widerstands. Der Widerstand ist ein Gefühl und eine Haltung in dir. Du bist verschlossen und du willst dich auch gar nicht öffnen. Das zeichnet Widerstand aus. Dabei geht es aber gar nicht um das “Was”, also was du glaubst, was du meinst, sondern um das “Wie”, wie du bist. Manche können mit dem Wort Widerstand nichts anfangen. Es ist auch schwer für mich, das zu beschreiben. Genauso ist es schwer, Offenheit zu beschreiben. Denn was soll das denn genau sein? Alle Worte treffen nicht den Kern. Ist es eine Haltung? Ist es eine Körperempfindung? Oder nur ein Gedanke? Ich habe echte Offenheit das erste Mal bei meinem Lehrer erlebt. Und das ist nicht zu beschreiben. Ich kann nur sagen: »Ich wollte und ich konnte ihm nicht mehr widersprechen. Bei keinem einzigen Wort, bei keinem einzigen Satz.« Und entgegen meiner üblichen Gewohnheiten, nämlich ständig zu widersprechen, war mir das vollkommen egal. Ich wollte nicht mehr und ich konnte nicht mehr. Swamiji hat in seinem Buch geschrieben: »Wenn man nicht mehr widersprechen kann und nicht mehr widersprechen will, dann hat man sich auf Seelenebene verbunden.« Ich kann nachvollziehen, was damit gemeint ist. Ich hätte es aber nicht so ausgedrückt und auch nicht so ausdrücken können. Das ist aber gar nicht wichtig. Wichtig ist, was ich erlebt habe. Und das, was ich erlebt habe, ist Offenheit. Der Widerstand ist wie Eis in der Sommersonne geschmolzen und zwar so schnell, dass er gar nie da war. Es gab gar keine einzige Frage. Keine notwendige Erwiderung. Wenn du nichts mehr findest, was dich am anderen stört, dann gibt es keinen Widerstand mehr. In dem Moment wird auch alles überflüssig, was wieder Harmonie herstellen will, wie zum Beispiel eine Versöhnung, eine Entschuldigung. Das wird überflüssig, weil ja schon kein Widerstand mehr da ist, den du versöhnen müsstest oder für den du dich entschuldigen könntest. Die Offenheit, die ich in diesem Zitat meine, ist die eigentliche, tatsächliche Spiritualität und der Widerstand ist unser Ego. Aus dem Widerstand heraus kannst du Offenheit nicht künstlich machen. Du kannst nur versuchen, dich darauf einzulassen und äußere programmierte Reaktionen sein zu lassen, zum Beispiel nicht zu widersprechen, obwohl du es gerne würdest. Du wirst dadurch natürlich nicht automatisch offen und bist komplett frei von Widerstand, aber es ist vielleicht eine Übung, die in die richtige Richtung geht. Alles andere, was danach noch passiert, ist dann einfach Gnade.