Das Ego kann sich nicht in den Dienst stellen. Einer Sache zu dienen — unabhängig von den eigenen Präferenzen — ist einer der größten Egokiller. Es geht dann nicht mehr um dich. Es geht nicht mehr um dein Ego. Es geht um etwas anderes. Dabei geht es nicht darum, ob du einem Menschen oder einem Anliegen dienst. Selbstloses Dienen erreicht immer sein Ziel. Das Ziel ist nicht der Erfolg bei den anderen. Das Ziel ist dein Erfolg als Dienende. Du kannst entdecken, dass es gar nicht wichtig ist, was du glaubst, welche Meinung du hast, noch nicht einmal, ob die Sache oder der Mensch, dem du dienst, richtig liegt. Das Ego macht es genau umgekehrt. Es will erst wissen, dass die Sache gut und richtig ist. Es will nur dienen, wenn es selbst etwas davon hat. Zumindest will es Anerkennung dafür. Und es gibt nichts Besseres und kaum einen besseren Auslöser, wie wenn die Belohnung wegbleibt, wenn die Anerkennung nicht kommt. Denn dann merkst du, warum du es tatsächlich getan hast. Dann kannst du plötzlich nicht mehr selbstlos tun, was vorher noch möglich war, dann wirst du plötzlich gezwungen hinzuschauen, wo du erkennst, schmerzhaft, dass du nicht selbstlos warst, dass es dir bei deiner Hilfe doch nur um dich ging. Wenn der Applaus ausbleibt, wenn das Lob ausbleibt, oder ganz generell, wenn jegliche Reaktion ausbleibt, wirst du auf dich selbst zurückgeworfen. Das verkraftet kaum jemand. Und deshalb versuchen wir, solche Situationen zu verhindern und wenn sie dann doch kommen, so schnell wie möglich irgendetwas zu tun, was dieses unangenehme Gefühl verdrängt. Dieses unangenehme Gefühl kommt aber nur, weil wir nicht wahrhaftig waren, weil wir nicht pur und rein geholfen haben. Wir haben uns nicht selbstlos in den Dienst gestellt, sondern unser Ego hat sich in den Dienst gestellt. Bis kurz vor dem Ausbleiben der Reaktion konnten wir uns noch vormachen, dass wir gerne und selbstlos helfen. Doch sobald die Reaktion ausbleibt, sind wir mit der Realität konfrontiert. Mit der Realität, die wir so gerne wieder verdrängen würden. Eine der beliebten Reaktionen, um diese Realität wieder zu verdrängen, ist, auf den anderen sauer zu sein und zumindest hinter seinem Rücken über ihn zu schimpfen. So merken wir nie, was wirklich los ist, wie es uns tatsächlich geht und warum wir so reagieren. Nur deshalb können wir unser Unbewusstes nicht erkunden. Wir wollen gar nicht, dass es bewusst wird. Denn wenn Unbewusstes bewusst wird, wird Schmerz ausgelöst. Und deshalb stimmt es nicht, was dir verkauft wird, was ein Großteil der spirituellen Szene, die keine ist, behauptet, dass alles leicht und einfach ist. Und natürlich schmerzfrei. Ist es nicht. Ist es nicht. Ist es nicht. Wenn du dich für den spirituellen Weg entscheidest, bedeutet es, dass du dich für den Schmerz entscheidest. Und nicht für eine Lari-Fari-Safari.