Fasten ist ein Gradmesser deines Bewusstseins und deiner Spiritualität. Natürlich nicht das Fasten selbst, sondern die Fähigkeit, deine Gedanken an Essen und deine Gelüste zu ignorieren. Es geht dabei um Selbstbeherrschung ohne Unterdrückung. Also eine ganz andere Form der Selbstbeherrschung als die, die wir gelernt haben. Selbstbeherrschung ohne Unterdrückung ist wie ein Lackmustest für deinen Verstand und die programmierten Handlungen. Du kannst beim Fasten so vielen Programmen und Gedanken und Körperempfindungen auf die Schliche kommen wie sonst wahrscheinlich nie. Ständig quält dich dein Kopf mit dieser Sache »Ich hab Hunger! Ich hab sooo Hunger!« — und er spielt dir Bilder von allen möglichen und unmöglichen Gerichten vor. Und dann sagt er dir auch noch, dass du gerade verhungerst. Das ist aber ganz offensichtlich nicht der Fall. Trotzdem fällst du auf diese Gedanken herein und brichst das Fasten. Und auch dann könntest du etwas Erstaunliches feststellen, dass nämlich die Gelüste gar nicht echt waren, dass die Befriedigung, die dir dein Kopf vorgegaukelt hat, wenn du endlich wieder essen darfst, überhaupt nicht eintritt. Sie kommt einfach nicht, ganz im Gegenteil: Es wird dir sogar schlecht. Du verträgst die Sachen gar nicht mehr. Und da geht es gar nicht darum, ob das jetzt ein Effekt des Fastens ist oder ob diese Dinge vielleicht wirklich ungenießbar sind eigentlich, sondern es geht darum, dass du diese Gefühle gar nicht genau genug beobachtest, dass du gar nicht merkst, dass dein Verstand die ganze Zeit nur Geschichten erzählt. Jeder, der Angst hat, und auch andere, dass er von einer Elite gesteuert wird, der sollte es zumindest einmal probieren zu fasten. Dann merkt er nämlich, wovon er auch noch gesteuert wird, was ihm bisher vollkommen unbewusst war. Die meisten Menschen werden es deshalb nicht tun. Sie wollen gar keine Selbsterkenntnis. Ich erinnere mich an eine lustige Geschichte. Mein Vater hat früher mit seinem besten Freund immer gefastet. Nicht beim Essen, sondern sie haben “Alkohol-Fasten” gemacht in der Fastenzeit. Und das ging viele Jahre und sie haben das immer gemeinsam gemacht, bis eines Jahres der Freund meines Vaters sagte: »Ich brauch nicht mehr fasten. Ich weiß, dass ich es kann.« Der Verstand ist so ein trickreicher Betrüger. Etwas, was du wirklich kannst, kannst du jederzeit. Da brauchst du keine Ausrede, warum es jetzt gerade nicht geht. Nur für das, was du in Wahrheit nicht kannst, brauchst du die Erklärung, dass du es kannst.