Elend entsteht im Kopf. Und es hat einen Grund, warum wir das nicht entdecken können. Wir haben nicht gelernt, den anderen in seinem Elend zu lassen. Wir wollen immer retten … auch uns selbst. Wir sind die ganze Zeit darauf fokussiert, unsere Situation, die angeblich furchtbar elend ist, so schnell wie möglich zu verändern. Und das, bevor wir untersucht haben, wie die Situation tatsächlich ist und wie es dazu kommt, dass wir davon ausgehen, dass sie schlecht ist und wir uns elend fühlen. Wir haben die Kunst gemeistert, von unserem eigenen Elend und von dem Elend der anderen so schnell wie möglich abzulenken und eine Lösung zu finden. Und das, bevor wir untersucht haben, was denn tatsächlich das Problem ist. Würden wir es untersuchen, würden wir das Problem in unserem eigenen Denken, unseren programmierten Gedanken, programmierten Handlungen und programmierten Gefühlen finden können. Doch dazu fehlt uns die Zeit und auch die Aufmerksamkeit. Vor allem aber fehlt uns die Fähigkeit, unsere Gefühle zu fühlen. Falls uns jemand von seinem Elend berichtet, könnten wir das, würde eine Pause im Denken und im Handeln entstehen, sodass wir die Möglichkeit hätten, das erste Mal die Situation neu zu betrachten. Stattdessen lenken wir von unseren Gefühlen dadurch ab, dass wir dem anderen helfen wollen. Ein unfassbar faszinierender, aber leider auch kontraproduktiver Mechanismus. Wir wollen helfen, um unsere eigenen Gefühle nicht zu fühlen, nicht um dem anderen wirklich zu helfen. Wir wollen mit dem Elend der anderen nicht konfrontiert werden, damit wir uns nicht schlecht fühlen. Und nur deshalb kümmern wir uns um die anderen und deren Elend. So helfen wir uns ständig gegenseitig selbst dabei, das, was jetzt hier ist, zu verdrängen, nicht wahrzunehmen und damit verunmöglichen wir mit unserer Hilfe eine echte Lösung.