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    25.2.2023AQ 1919
    »Um loslassen zu können, musst du realisieren, dass du es vorher ergriffen hast.«
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    Um loslassen zu können, musst du realisieren, dass du es vorher ergriffen hast. Loslassen ist gar keine Option, wenn dir nicht klar ist, dass du vorher zugegriffen hast. Du hast es dir geschnappt und dich regelrecht darauf eingeschossen und du willst es gar nicht loslassen. Du willst dich damit beschäftigen. Es wäre also viel ehrlicher, dich intensiv damit zu beschäftigen, statt es loslassen zu wollen. Wir wollen meistens das loslassen, was wir noch gar nicht genau untersucht haben. Wir beschäftigen uns zwar gedanklich damit, aber wir haben überhaupt nicht untersucht, warum wir uns damit beschäftigen, warum es uns anzieht, warum wir es ergriffen haben, welche Muster und Mechanismen dahinter stecken. Es ist viel spannender, so etwas zu untersuchen, als die ganze Zeit alles loszulassen. Dass du loslassen sollst, sagen dir meistens Menschen, die genervt sind davon, dass du es nicht loslässt. Es sagen dir vielleicht Menschen, die du volljammerst, oder es sagen dir Menschen, die dein Leid nicht ertragen können, die nicht sehen wollen und in sich fühlen wollen, wie du leidest, weil du dich auf ein ganz bestimmtes Thema eingeschossen hast. Oder sie wollen nicht fühlen, wie sie leiden, weil du dich auf ein ganz bestimmtes Thema eingeschossen hast. Wir ertragen uns gegenseitig nicht und geben uns deshalb Tipps, wie wir das, was wir am anderen nicht ertragen, loswerden können. Statt dem anderen zu raten, doch endlich loszulassen, könnten wir auch einfach ehrlicherweise sagen: »Tut mir leid! Ich ertrag dein Gejammer nicht mehr. Ich kann es einfach nicht mehr hören. Ich geh. Ich pack's nicht mehr.« Das wäre ehrlicher und einfacher. Und dann könnte derjenige, der etwas ergriffen hat und es gar nicht loslassen will, sich endlos damit beschäftigen. Und natürlich könnte er sich in Gedanken im Kreis drehen und er würde keine Lösung finden. Es wäre aber alles vollkommen okay, weil es ist ja niemand mehr da, den er nerven kann. Wir denken aber immer, wir müssten helfen. Wir gehen immer davon aus, wenn uns jemand von seinem Problem erzählt, dass wir ihm helfen sollen. Aber vielleicht sollten wir ihm nicht helfen rauszukommen, sondern reinzukommen?