Leben ist nichts, was du vorbereiten kannst. Du kannst es nur leben. Aber wir tun so, als könnten wir es vorbereiten, als hätten wir die Möglichkeit, Leben mit genügend Planung zu organisieren, in die richtigen Bahnen zu leiten. Diese Idee muss uns zwangsläufig im Lauf der Zeit in die Verzweiflung treiben, weil Leben nicht planbar ist. Unsere Vorstellungen — und seien sie auch noch so subtil — verhindern immer echtes Leben. Unsere Vorstellungen davon, wie wir sein sollten, genauso wie unsere Vorstellungen davon, wie andere sein sollten. Und genauso wie unsere Vorstellungen, wie es sein sollte, wie unser Leben sein sollte, wie wir wohnen, arbeiten, lieben, leben und so weiter. Jede Vorstellung, jede Planung steht deinem Leben im Weg. Dein Leben ist nicht im Fluss, wenn du dir etwas vorstellst. Trotzdem spricht überhaupt nichts gegen Planung. Und da wittert der Verstand jetzt einen Widerspruch. Aber das ist ein Unterschied. Du kannst Termine machen, du kannst bestimmte Dinge planen und du kannst sie dann auch so wie geplant durchführen. Was mit dem Zitat gemeint ist, ist etwas anderes. Und zwar, wie sehr du an der Planung festhältst, falls etwas nicht funktioniert, falls es nicht so läuft, wie du es dir vorstellst, oder falls etwas einfach nicht planbar oder organisierbar ist, falls sich das Leben einfach nicht an deine Vorstellungen anpassen lässt. Für viele Menschen ist es so, dass sie Vorstellungen haben, wie sie gerne leben würden und währenddessen nicht mitbekommen, wie sie tatsächlich leben. Und da diese Vorstellungen mit dem tatsächlich gelebten Leben nicht übereinstimmen, leben sie in zwei Welten. Einmal in der echten Welt und einmal in der Vorstellungswelt. Und dadurch leben sie nie wirklich in der echten Welt, weil die Vorstellungen immer parallel mitlaufen und über dem tatsächlich Erlebten drüber liegen. Das ist wie ein Paralleluniversum, aber nicht im positiven Sinn. Es zieht deine Aufmerksamkeit ab von dem, was jetzt wirklich hier ist und bringt dich in eine Fantasiewelt. So bist du immer ein Realitätsverweigerer. Und ich weiß nicht, wie dieses Wort von anderen verwendet wird. Ich meine es wahrscheinlich nicht so wie die anderen. Ich meine es im Sinn deiner tatsächlich erlebten Realität, die immer nur in deinem Körper stattfindet und nicht in deinen Gedanken. Diese Körperrealität wollen die meisten Menschen nicht wahrhaben. Dafür tun sie alles, inklusive ihr Leben vorzubereiten und zu planen für ein anderes Leben. Ein Leben, das nie kommt. Und währenddessen verpassen sie das Leben, das immer schon hier ist, nur anders, als sie es vorbereitet haben.