Vertrauen, dass sich alles zum Guten wendet, geht davon aus, dass es jetzt gerade schlecht ist. Wir pflegen den immer gleichen Gedanken und dieser Gedanke ist, dass es besser werden müsste. Damit etwas besser werden kann, muss es jetzt schlecht sein und es kann sich erst in der Zukunft verbessern. Diese Zukunft kann und darf nie erreicht werden, sonst gäbe es ja nichts mehr, was sich verbessern müsste. Und dann wäre dieses komplette Spiel beendet und wir hätten nichts mehr zu tun. Außerdem kann es ein Besser immer nur im Vergleich zum Schlechten geben. Dieses Schlechte ist also integraler Bestandteil des Besseren. Ohne dieses Schlechte kann das Bessere nie kommen und auch nicht existieren. Das bedeutet aber auch, dass es nie wegfallen darf, denn sonst kann es kein Besseres mehr geben. Und genauso halten wir das Bessere und das Schlechtere am Leben. Woher weißt du, dass es jetzt gerade schlecht ist? Welchen objektiven Vergleich hast du? Du hast beides noch nie tatsächlich erlebt, denn du warst nicht präsent. Du hast das Schlechte immer mit dem Gedanken an das Gute verdrängt. Und falls es mal kurz gut war, hast du sofort wieder überlegt, was man noch verbessern könnte. Ich will damit aber nicht sagen, dass du das gefühlt Schlechte schönreden sollst. Ich möchte dich ermutigen, dass du es tatsächlich erlebst. Dein tatsächliches Erleben ist frei von Gedanken, frei von Gedankenattacken. Dein Erleben findet in deinem Gefühl statt. Ein Gefühl ist eine Körperempfindung, kein Gedanke, kein Wort. Diese Welt erscheint dual. Und es geht nicht darum, sie so schnell wie möglich in die Einheit zu führen. Es geht darum, die Dualität bewusst zu erleben. Die Dualität mit all ihrem Schmerz und all ihrer Freude und mit all ihren Widersprüchen. Es geht darum, unser Streben weg von hier zu erkennen, zu entlarven, zu enttarnen. Nichts ist, wie es scheint, denn wir erleben selbst das, was wir tatsächlich erleben, in unserer Fantasie, weil wir parallel zum Erleben die ganze Zeit denken und unsere Aufmerksamkeit auf das Denken, statt auf das Erleben lenken. Unser Erleben ist das, was tatsächlich stattfindet, während unser Verstand die ganze Zeit interpretiert und uns Geschichten erzählt, zu dem, was wir gerade erleben. Das bleibt bei den meisten Menschen unentdeckt, weil der Gedankenstrom nie abreißt. Selbst in dem Moment nicht, in dem man sie auf ihren Gedankenstrom hinweist, dann geht dieser Gedankenstrom einfach in sich selbst weiter und er fragt sich: »Was soll das? Worauf will der mich hinweisen? Ich glaube, der spinnt. Das weiß ich doch längst alles, habe ich schon längst entdeckt. Der erzählt mir nichts Neues.« Und so versteckt er sich in sich selbst. Deshalb kann er nicht erkannt werden, weil er die gesamte Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Und je mehr er redet, je mehr er denkt, desto realer erscheint er. Er unterhält sich vollkommen seriös mit sich selbst und verkauft es dir als dein Ich, das er nicht ist und noch nie war.