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    15.2.2023AQ 1909
    »Das heutige Zitat besteht aus nur zwei Worten, die wir normalerweise nicht zusammenbringen.«
    0:007:55
    Besser scheitern. Das heutige Zitat besteht aus nur zwei Worten, die wir normalerweise nicht zusammenbringen. Die meisten Menschen versuchen, besser zu werden, erfolgreicher. Sie versuchen, etwas richtig zu machen und nicht zu scheitern. Statt diesem Wahn zu verfallen, könntest du besser scheitern. Du könntest versuchen, wie du immer besser wirst im Scheitern und wie du besser scheiterst. Im Scheitern besser zu werden bedeutet, dass du das Scheitern leichter nehmen kannst, dass du okay bist damit, wenn du scheiterst. Und das kann sogar so weit gehen, dass du etwas, was andere als Scheitern beurteilen, gar nicht mehr so sehen kannst. Das hat natürlich ganz viel mit Anspannung, Druck, Stress zu tun beziehungsweise mit der Abwesenheit von Anspannung, Stress und Druck. Wenn du scheiterst und du hast gar keine intensiven Körperempfindungen, dann macht es nichts. Und falls du doch intensive Körperempfindungen hast und in der Lage bist, sie wahrzunehmen und hier sein zu lassen, so wie sie sind, und sie nicht verdrängen willst, auch dann hast du gelernt, mit deinem Scheitern entspannter zu sein. Das bedeutet nicht unbedingt, dass du nichts mehr fühlst. Es bedeutet, dass du alles, was du fühlst, tatsächlich fühlen kannst und nicht mehr verändern musst. Und das bedeutet, dass du es nicht verdrängen musst. Du bist dir bewusst, du bist gescheitert. Du fühlst die Gefühle, die damit zusammenhängen, und mehr ist da nicht mehr. Du brauchst dann auch niemanden mehr, auf den du dein Scheitern projizieren kannst, weder andere noch dich selbst, du bist halt gescheitert. Das darfst du natürlich nicht verwechseln mit Leugnung oder 'rosa Blümchenwelt spielen', obwohl es nicht so ist. Du kannst dein Scheitern auch zugeben, das ist gar kein Problem. Es zieht dich nicht runter oder es zieht dich runter, du bist aber vollkommen in Frieden damit, dass es dich runterzieht. Und die andere Bedeutung, besser zu scheitern, bedeutet, dass jedes Scheitern besser wird. Und das meine ich gar nicht im Sinn von immer erfolgreicher, also immer weniger scheitern, sondern vielleicht findest du auch mal eine vollkommen neue Variante des Scheiterns, die du bisher noch nicht kanntest. Oder du scheiterst schneller hintereinander, weil du mehr Versuche wagst. Oder natürlich auch das Gegenteil: Du wirst langsamer im Scheitern. Du musst nicht mehr so oft scheitern wie früher, wo du die ganze Zeit mit dem Kopf gegen die Wand gerannt bist, sondern du lässt dir Zeit. Du nimmst dir deine Zeit fürs Scheitern. Ich will damit das Scheitern überhaupt nicht schönreden, aber ich will es eben auch nicht mehr schlechtreden. Und das ist das, was die meisten machen. Ohne zu scheitern kannst du nicht lernen, denn wenn du nicht scheiterst, bedeutet es, dass du es schon kannst. Und da gibt es keinen Lerneffekt. Du kannst nur bei etwas scheitern, was du noch nicht kannst, was du neu lernen, neu erforschen musst. Du scheiterst einfach so lange, bis ein Fehlversuch wie ein Erfolg aussieht. Gäbe es ein Ende von Scheitern, würde niemand mehr üben oder trainieren, der schon etwas erreicht hat. Es gibt kein Ende von Scheitern. Es ist eher eine Frage deiner Ziele und Ansprüche an dich selbst. Wenn du es gewöhnt bist, Weltmeister zu sein, dann ist der dritte Platz für dich schon das größte Scheitern aller Zeiten. Wenn du dein Leben lang Hundertster warst und du wirst Achtzigster, dann fühlt sich das wie ein Erfolg an. Es ist also alles relativ. Und auch, wenn ich jetzt hier ein sportliches Beispiel nehme, kannst du das natürlich in alle anderen Bereiche übertragen. Und da geht es dann gar nicht um den objektiven Vergleich — Wer ist besser? Wer ist schneller? — sondern es geht um deine Entwicklung und wie du dich dabei fühlst und ob du im Lauf der Zeit Spaß daran findest, besser zu scheitern.