»Der Weg in die Hölle ist mit guten Absichten gepflastert.« George Bernard Shaw Es ist nicht nur so, dass unsere guten Absichten gegen uns verwendet werden und wir selbst sie gegen uns verwenden. Es ist sogar so, dass es keine gute Absicht ohne das Böse gibt. Denn immer, wenn du etwas Gutes tun willst, brauchst du das Böse als Vorbild. Ohne den Kontrast zum Bösen könntest du nichts Gutes tun. Solange du nur für dich tätig wirst, ist das überhaupt kein Problem, denn dann hast auch nur du die guten oder schlechten Konsequenzen zu tragen. Sobald du aber für mehrere, also für eine Gruppe entscheiden willst, wird das so trickreich, dass es am Schluss ein gordischer Knoten ist, der nicht mehr aufgelöst werden kann. Die sogenannten Kollateralschäden, die in Kauf genommen werden für die guten Absichten, sind nämlich weder abzusehen noch überhaupt insgesamt zu erfassen. Jede Veränderung zieht andere Veränderungen nach sich und so kann man am Schluss überhaupt nicht mehr wissen, ob man etwas Gutes oder etwas Böses getan hat. Es gab in den letzten drei Jahren viele, die der Meinung waren, sie tun etwas Gutes, sie seien solidarisch. Diese Idee beginnt langsam, aber sicher zu bröckeln. Sie können sich nur noch sicher sein, wenn sie wegschauen und ignorieren. Und es ist eine der schmerzhaftesten Erkenntnisse überhaupt, die ansteht. Die Erkenntnis, dass man mit allerbesten Absichten tatsächlich Böses erschaffen kann. Goethe hat es auch schon einmal formuliert. Er hat geschrieben: »Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.« Und da kann man sich dann natürlich zu Recht fragen: »Ja, ist es aber nicht besser, als böse Absichten zu haben?« Und da wird es kompliziert oder schwierig zu erklären, denn den meisten Menschen fehlt aufgrund ihrer Gedankenströme ein Erfahrungsraum und zwar der Erfahrungsraum der Neutralität, aus dem absichtslos Gutes entsteht. Das ist aber nicht mehr “gut” im Sinne des Verstandes, sondern es ist das, was geschehen sollte. Und so ist es in Abwesenheit des Verstandes sowieso schon immer. Es war noch nie anders. Wir haben es nur anders gedacht. Wir hatten Absichten und wir dachten, das sei eine gute Sache und wir haben uns mit diesen guten Sachen identifiziert und wir wollten mehr davon machen und dabei haben wir uns in einen Wahn hineingesteigert. Ein Wahn, der nicht mehr zu stoppen ist, zumindest nicht auf die klassische Art und Weise. Er ist nur zu stoppen, wenn wir aussteigen, wenn wir unsere Gedankenströme ignorieren, bis sie im Hintergrund verblassen und bis alles in unserem Leben einfach nur noch geschieht. Mit oder ohne Absicht absichtslos.