Niemand kann mit dir umgehen. Nur du gehst mit dir um. Es gibt dieses seltsam menschliche Phänomen, dass wir davon ausgehen, dass andere — und vor allem wie andere — mit uns umgehen. Wir gehen davon aus, dass andere mit uns schlecht umgehen können oder eben auch gut. Und wir hätten natürlich gerne, dass die anderen gut mit uns umgehen. Und wenn uns jemand schlecht behandelt, gehen wir davon aus, dass es an ihm liegt, dass wir uns schlecht fühlen. Und das ist, so schwer es auch zu akzeptieren ist, ein Missverständnis und ein großer Fehler, eine große Fehlannahme von uns. Diese Fehlannahme ist wie ein Kurzschluss. Es ist eine Kurzschlussreaktion in dem Moment, in dem wir uns schlecht behandelt fühlen. Wir wollen in diesem Moment nicht fühlen, was wir fühlen. Und deshalb wollen wir den anderen verändern. Um uns aber schlecht zu fühlen, wenn andere uns auf eine bestimmte Art und Weise behandeln, müssen wir als Allererstes daran glauben, dass sie recht haben. Wir müssen es für wahr halten, was sie uns sagen. Wenn wir das nicht für wahr halten, macht es uns gar nichts. Dummerweise ist unsere Grundannahme so eng verwoben, dass wir nicht anders können, als den anderen zu glauben, vor allem dann, wenn sie in uns etwas berühren, was unser Problem ist. Wenn wir uns zum Beispiel minderwertig fühlen und jemand behandelt uns schlecht, dann trifft er diesen Kern, der schon vorher in uns ist. Aber wir können dann natürlich so tun, als gäbe es da einen äußeren Auslöser, der aber nicht nur der Auslöser ist, sondern auch der Grund dafür, dass wir uns minderwertig fühlen. Dieses Gefühl ist aber schon die ganze Zeit in uns und wir erkennen den anderen nicht als Auslöser und können es nicht dabei belassen, dass er auch tatsächlich nur der Auslöser ist und nicht der Grund für unser Gefühl. Könnten wir diesen Mechanismus in uns entdecken, würden wir feststellen, dass wir uns selbst viel, viel härter behandeln und viel, viel schlechter mit uns umgehen als alle anderen zusammen. Wir würden erkennen, wie schlecht wir über uns selbst denken, mit uns selbst sprechen und wie wenig wir uns zutrauen, für wie schlecht wir uns halten. Denn das ist eine der Grundprogrammierungen. Eine Programmierung, die notwendig ist. Eine Programmierung, die es uns verunmöglicht, uns selbst zu erkennen und frei zu sein. Das zu erkennen ist aber nur der Anfang. Es reicht nicht aus, wenn du es verstanden hast, und es reicht vor allem nicht, wenn du es intellektuell verstanden hast. Logik ist ein Anfang und ist auch gut, wenn du das erkennen kannst, vor allem wenn du es in dir erkennen kannst, aber der Intellekt alleine reicht da nicht. Du musst es erleben und du musst vor allem, während du es erlebst, bewusst sein. Du musst realisieren, dass es jetzt so ist, wie es ist, was du tust, was du denkst. Alles, was in dir abläuft in diesem Moment, in dem du mit dir umgehst.