Es gibt kein normales Leben. Es gibt nur ein Leben, an das wir uns so weit und so sehr angepasst haben, dass wir es als normal empfinden. Und was wir für normal halten, definiert unser angestrebtes, erhofftes oder erwünschtes Verhalten. Wir wollen ja schließlich nicht unnormal oder sogar abartig erscheinen. Dabei geht es meistens gar nicht um tatsächliches asoziales Verhalten, sondern darum, welches Verhalten asozial erscheint oder als asozial gilt. Alleine diese Einschätzung reicht für die meisten schon aus, um es gar nicht erst zu wagen — ganz egal, worum es geht. Wenn damit das Urteil verbunden sein könnte, nicht normal, asozial zu sein, dann fangen wir gar nicht erst an, es auszuprobieren, ohne es jemals erlebt zu haben und ohne es aus eigener Erfahrung zu kennen. Das Urteil "nicht normal" ist abschreckend genug. Was dabei den meisten nicht auffällt, ist, dass dieses Urteil nicht in den anderen ist, sondern in uns. Beziehungsweise falls das Urteil in den anderen ist, macht das überhaupt nichts aus, wenn es nicht auch in dir ist. Wenn du diesem Urteil tatsächlich keine Bedeutung gibst, weil es für dich keine Bedeutung hat, tangiert es dich nicht. Es berührt dich nicht. Aber wenn es für dich eine Bedeutung hat, dann trifft es dich umso härter, wenn dich Menschen genau mit diesem Urteil konfrontieren und dir sagen: »Du bist doch nicht normal.« Und obwohl wir uns aufgrund dieser Programmierung unfassbar anpassen und unfassbar bemüht sind, uns wieder und wieder anzupassen, gibt es trotzdem noch immer kein normales Leben. Das sogenannte normale Leben existiert nur in unserer Vorstellung. Wir selbst erleben gar nichts Normales. Wir erleben nur etwas. Wir erleben etwas und hinterher ordnen wir es ein, ob es normal genug war, den gesellschaftlichen Standards entsprechend. Und ja, das Gleiche kannst du natürlich auch mit den spirituellen Standards entsprechend machen. Es gibt auch eine spirituelle Käseglocke. Das ist ein seltsames Phänomen. Du kannst es aber bei dir selbst überprüfen. Ich bin mir sehr sicher, dass du weißt, was als spirituell gilt, wann du als spirituell anerkannt bist. Ein ganz einfaches Beispiel: Du weißt, dass du von Licht und Liebe sprechen musst und dass dir da auch keiner widersprechen kann, wenn du von Licht und Liebe sprichst, denn das gilt als spirituell. Das weißt du und du weißt auch, dass es verpönt ist, Fäkalworte zu benutzen, und dass es da sein könnte, dass dich andere als nicht spirituell einordnen, wenn du das tust. Also besteht die Gefahr, dass du es vermeidest, diese Worte zu benutzen und stattdessen von Licht und Liebe sprichst, obwohl dir gerade überhaupt nicht danach ist. Das heißt natürlich nicht, dass du jeden als Arschloch beschimpfen musst, aber es heißt, dass du jemandem nicht Licht und Liebe schicken musst, obwohl du ihn gerade hasst. Denn das fühlt man. Menschen, die fühlen können, fühlen, dass das nicht echt ist, dass du in diesem Moment nicht echt bist, nicht authentisch. Und das nur deshalb, weil du gerade normal spirituell sein willst.