Wenn man nicht anfängt, kann man hinterher auch nichts verbessern. Die meisten Menschen, vor allem die Deutschen, kümmern sich bei einem Beginn um das Drumherum. Sie kümmern sich um eine optimale Vorbereitung. Alles muss ausgearbeitet sein, zumindest muss der Weg bereits feststehen. Alles ist geplant. Zufälle und Überraschungen werden kategorisch ausgeschlossen, die darf es nicht geben. Dieser Perfektionismus führt dann dazu, dass die meisten gar nicht erst anfangen. Denn du kannst nicht in jedem Bereich perfekt sein. Du bist es ja noch nicht einmal in dem Bereich, in dem du gut bist und für den du dich wirklich interessierst. Wie solltest du dann alle anderen Randbereiche perfekt beherrschen? Wie solltest du alles optimal vorbereiten? Wir setzen die falschen Prioritäten und deshalb fangen wir gar nicht erst an oder wir verteilen unsere Aufmerksamkeit auf so viele Randprojekte, dass wir uns nicht mehr um das kümmern können, was wir eigentlich tun wollen. Und wir machen das nur aufgrund von Angst. Angst, es nicht richtig zu machen, Angst zu scheitern, Angst, es den anderen nicht recht zu machen, Angst, komisch dazustehen und nicht begründen zu können, warum man etwas gemacht hat. Tatsächlich liegt unser Problem ganz woanders, nämlich im Abzug unserer Aufmerksamkeit, unseres Fokus von dem, was wir gerne tun, auf die Bereiche, in denen wir nicht gerne tätig sind. Und das bekommen wir noch nicht einmal mit. Uns ist gar nicht klar, dass wir das tun. Wir halten das für so normal und so logisch und so konsequent und vor allem so notwendig, dass wir uns gar keinen anderen Weg vorstellen können, selbst dann nicht, wenn es uns jemand sagt, denn dann kommt die Angst wieder. Die Angst, etwas falsch zu machen und die Angst zu versagen. Tatsächlich können wir es aber gar nicht wissen, wie es ausgehen wird, weil wir es noch nie anders versucht haben und in den meisten Fällen haben wir es überhaupt nicht versucht. Wir haben noch nie etwas angefangen. Wir haben geplant und vielleicht haben wir es auch umgesetzt, aber wir haben noch nie begonnen ohne die gesamte Planung und anders, als wir es gewohnt sind. Immer war die Angst unser treuester Begleiter und an ihr haben wir uns orientiert. Immer und immer wieder. Wir kennen gar nichts anderes als Angst, wenn wir etwas Neues beginnen. Und selbst das ist uns nicht bewusst. Es ist gar nicht so schlimm, dass wir Angst haben. Es ist schlimm, dass wir sie leugnen und dass wir so tun, als hätten wir keine. Wir haben aber jede Menge davon und wir wissen nicht, wie wir sie loswerden. Dabei müssten wir sie gar nicht loswerden. Wir müssten einfach mal anfangen.