Je unsicherer es wird, desto möglicher wird es auch. Es ist eine der seltsamsten Eigenschaften von Krisen, dass mit zunehmender Intensität der Krisen auch die Möglichkeiten zunehmen. Innerhalb unserer Programmierung macht das überhaupt keinen Sinn, denn unsere Programmierung sagt uns: »Krisen sind schlecht.« Tatsächlich sind Krisen auch ein Reinigungsmechanismus. Man wünscht ihn sich zwar nicht, aber man braucht ihn. In einer Krise werden die verkrusteten Strukturen aufgeweicht und durchlässig. So durchlässig, dass man Möglichkeiten bekommt, die man früher nicht für möglich gehalten hätte. Während in der scheinbar stabilen Phase alles klar aufgeteilt war und es scheinbar nur wenige Möglichkeiten gab, gibt es diese Möglichkeiten in der Krise im Überfluss. Aber natürlich musst du sie sehen können und sehen kannst du sie nur dann, wenn dein Fokus nicht auf den negativen Eigenschaften einer Krise festhängt. Das heißt nicht, dass du die negativen Eigenschaften ignorieren musst. Du brauchst kein Realitätsverweigerer werden, aber du musst auch in der Lage sein, die Realität jenseits dieser negativen Auswirkungen zu sehen. Und das ist natürlich eine Fähigkeit, die du in einer scheinbar stabilen Phase überhaupt nicht entwickelt hast. Denn die stabilen Phasen zeichnen sich ja genau dadurch aus, dass es scheinbar wenig Möglichkeiten gibt und genau darauf liegt dein Fokus, denn nur deshalb erscheint dir diese Phase ja auch stabil, weil es wenig Veränderungsmöglichkeiten gibt. Menschen, die sich mit Veränderung wohlfühlen, haben in der Krise logischerweise nicht so viele Probleme. Und es gab auch schon in der stabilen Phase Menschen, die viele Veränderungen in ihrem Leben hatten. Und wenn sie gelernt haben damit umzugehen, dann existiert diese Krise für sie gar nicht. Und jetzt merkst du, worauf ich hinaus will. Die Definition einer Krise hängt damit zusammen, wie du sie empfindest. Und wie du eine Krise empfindest, hängt damit zusammen, wie du mit Veränderung umgehen kannst. Und sie hängt davon ab, ob dich eine große Auswahl an Möglichkeiten irritiert oder verunsichert oder ob du gut damit umgehen kannst. Es geht also wieder einmal nur um deine Emotionen. Bist du durch Veränderung und große Auswahl verunsichert und dadurch emotional herausgefordert oder kommst du ganz locker damit klar? Siehst du in Flexibilität und in überraschenden Wendungen ein Problem oder fühlst du dich wohl damit? Machen dich Hiobsbotschaften fertig, leidest du darunter? Oder weißt du, dass du nichts weißt und dass auch andere nicht wissen können? Und kannst du die Informationen, die auf dich zukommen, zu deinem Vorteil nutzen? Viele Coaches, die über dieses Thema sprechen, denken, dass es etwas mit deiner Haltung zu tun hätte, dass all die Punkte, die ich gerade gesagt habe, mit deiner Haltung zu tun haben. Und da könntest du den Eindruck bekommen, dass du an deiner Haltung, also an deinen Gedanken, an deiner Einstellung etwas ändern könntest und müsstest. Deine Haltung entsteht aber nicht aus Gedanken. Deine Haltung entsteht aus Gefühlen. Deine Haltung folgt deiner Fähigkeit, deine Gefühle zu fühlen. Sie ist ein unmittelbares Ergebnis davon. Und das Schöne daran ist, es ist ein Ergebnis, das du nicht machen kannst und das du vorher nicht festlegen kannst. Du brauchst also nicht an deiner Haltung arbeiten. Es wird nicht funktionieren. Deine Gefühle werden dir immer einen Strich durch die Rechnung machen. Deshalb funktioniert positives Denken nur sehr eingeschränkt. Leg deinen Fokus nicht auf die Krise und die Themen, die die Krise mit sich bringt, sondern auf die Gefühle, die sie in dir auslösen. Deine Haltung wird deiner Fähigkeit, deine Gefühle zu fühlen, folgen.