»Jedes System hat eine Lücke und die ist menschlich. Weil sie fühlt.« Petra Huber Ich habe Systeme schon sehr früh versucht zu untersuchen und es war mir währenddessen gar nicht bewusst, was ich da tue. Es ist so tief in mir verankert, dass ich es als Spaß abgetan habe. Es war aber gar kein Spaß, obwohl es Spaß gemacht hat. Es war bitterer Ernst, könnte man sagen, den ich spielerisch entdeckt habe. Und dieses Spiel ging so: Ich hatte keine Einladung, aber ich wollte auf einen wichtigen Empfang, ich wollte auf eine Gala. Ich hatte kein Geld oder wollte es nicht zahlen und wollte auf die “Nacht der Medien" im Justizpalast in München. Und während alle anderen Eintritt gezahlt haben, habe ich Wege gesucht, wie ich das vermeiden kann. Es ging mir dabei nicht um die anderen, es ging mir nicht darum, kein Geld zu zahlen, sondern es ging mir um das Abenteuer. Was ich herausgefunden habe, wird in diesem Satz von Petra extrem gut beschrieben. Ich habe im Lauf der Zeit natürlich eine ganze Menge Erfahrung gesammelt und habe festgestellt, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, Lücken in Systemen zu finden oder Lücken herzustellen. Eine der wichtigsten Lücken ist: Jedes System hat einen Beginn. Und vor diesem Beginn ist das System, das noch nicht komplett am Laufen ist, extrem lückenhaft. Und es ist menschlich und deshalb auch extrem einfach. Man kann zum Beispiel so tun, als würde man dazugehören, zu denen, die das System installieren. Dann ist es gar nicht notwendig, sich vorher stundenlang zu verstecken, was ich auch ausprobiert habe. Man darf sich nur nichts anmerken lassen. Eine andere Möglichkeit sind Hintereingänge. Jedes System hat Hintereingänge. Manchmal sogar welche, die noch nicht mal das System kennt. Niemand aus dem System kennt diese Hintereingänge. Die bekannten Hintereingänge werden durchaus auch mal bewacht, die unbekannten nicht, und bei den unbekannten kann es dann schon einmal vorkommen, dass du plötzlich mitten in der Catering-Vorbereitung stehst im Anzug und dann zu den Köchen sagst: »Äh, ich glaube, ich habe mich verlaufen. Ich suche die Toiletten.« Und sie helfen dir dann, die Toiletten zu finden und die Tür zu finden, durch die du nie rausgegangen bist und die auch von innen bewacht ist, aber nicht von dort, wo die Köche kochen. Und während du das erlebst, könntest du so wie ich denken: »Ah ja, es geht um die Menschen. Dieses System da draußen besteht aus Menschen, die fühlen. Und deshalb hat dieses System Lücken, die ich ausnutzen kann.« Was ich erst viele Jahre später verstanden habe, ist, dass das System in mir ist. Jedes System ist in mir aufgrund meiner Gefühle. Je selbstverständlicher ich so tun kann, als gäbe es gar kein System, desto weniger gibt es ein System. Und selbstverständlich so tun kann man nicht so gut künstlich. Das heißt, am besten funktioniert es, wenn man wirklich keine Angst hat. Das kann man aber nicht machen. Mal hast du Angst und mal hast du keine. Was du aber immer machen kannst, ist, deine Angst zu fühlen. Und wenn du das machst, dann bekommt dieser Satz plötzlich eine vollkommen neue Bedeutung. Dann beziehst du diesen Satz nicht mehr auf die anderen, sondern auf dich. »Jedes System hat eine Lücke und die ist menschlich. Weil sie fühlt.« Du bist diese Lücke.